Wer die Welt erfahren mochte, braucht ein Gepäckwägelchen. Besonders auf Flughäfen sieht man diese Transporthilfen häufig in irgendwelchen Ecken herumstehen (falls man sie nicht gerade dringend benötigt). Schnell einmal mit Handgepäck zu einer Besprechung nach Düsseldorf oder Frankfurt zu jetten reicht nicht aus. Was vielen Reisenden für den Pfad der Erkenntnis fehlt, ist die richtige Grundausstattung. Diese besteht aus drei schweren Koffern, groß genug, um mit ihnen jederzeit eines dieser Transportmittel bis zum Rand und darüber hinaus zu beladen.

Was dabei herauskommt, kann jeder kennenlernen, der versucht, im Parkhaus des Frankfurter Flughafens mit einem schwer beladenen Gepäckwägelchen direkt vor den Kofferraum seines Leihwagens zu rollen. Empfindsame Zeitgenossen sollen dabei schon Weinkrämpfe bekommen haben. Der Aufzug hinauf zum Parkdeck darf mit den Transporthilfen nämlich nicht benutzt werden, einen anderen Weg gibt es nicht. Reisende mit Sinn für das Praktische ignorieren das Verbot und quetschen sich zusammen mit dem rollenden Gerät in die kleine Kabine. Aber auch sie scheitern, oben auf dem Parkdeck angekommen, an extra errichteten Barrieren.

Notgedrungen bleibt das Gepäck im Halbdunkel der Aufzugstür stehen. Wer kann schon drei schwere Koffer gleichzeitig durch die Garage wuchten?! Beim anschließenden Defilee an endlosen Autoreihen vorbei wandert der Blick immer wieder nervös zurück: Sind die Koffer noch komplett? Am Ende findet sich der Leihwagen jedesmal so weit vom Aufzug entfernt, daß das Gepäck längst außer Sicht ist. Dann wird es hektisch. Dem ungewohnten Rückwärtsgang droht die Vergewaltigung, die Reifen kreischen, der Motor heult auf. Man schießt zurück zum Aufzug und hofft auf sein Glück. Reine Nervensache.

Aber Frankfurt ist noch harmlos. In Köln/Bonn wurde der Weg zu den Autovermietern von Fieslingen ausgeheckt. Dort kann zwar, wer sich die Zeit zum Suchen nimmt, nach der Ankunft ein Hinweisschild zu den Leihwagen entdecken, und auch durch die Glastür kommt man noch ohne größere Probleme ins Freie, es findet sich sogar eine Lücke zwischen den parkenden Autos, die es erlaubt, den Bürgersteig zu verlassen – aber selbst, wenn dann immer noch alle drei Gepäckstücke heil auf dem Wägelchen ruhen: Das Ende ist nahe. Nach einigen Metern geht es nur über eine Treppe weiter, die es nicht erlaubt, Wägelchen und Gepäck mit in den Untergrund zu nehmen. Dort hinunter scheint aber der Weg zu führen, hat man das Hinweisschild in der Ankunftshalle richtig interpretiert. Was tun?

Wer sich zuerst einmal mit zwei Gepäckstücken auf den langwierigen Abstieg in die unbekannte Tiefe wagt, steht vor folgendem Problem: Ein Koffer muß leider vorerst oben zurückbleiben. Nun reagieren aber die Sicherheitsorgane der Flughäfen aus Furcht vor alleinstehenden Bomben mit Hysterie auf einsame Gepäckstücke, und Langfinger gibt es überall. Also sollte auf Flughäfen nichts unbeaufsichtigt herumstehen. Das betrifft auch die beiden Koffer, die unten zurückbleiben müssen, während man wieder nach oben steigt, um den dritten herunter zu holen. Aber angenommen, man würde es ungeachtet des stattlichen Gewichts trotzdem mit dem ganzen Gepäck in die dunkle Unterwelt hinunter schaffen: Wie geht es dort ohne Wagen weiter? Für den verzweifelten Flugreisenden gibt es an dieser Stelle Frust. Übrigens ist man, falls es regnet, während dieser Überlegungen mittlerweile pitschnaß geworden. Die besagte Treppe befindet sich nämlich im Freien, und wenn die Maschine verspätet gelandet war, gibt es Besseres zu tun, als hier herumzustehen.

Auch die Betreiber des Hamburger Flughafens haben für Reisende mit Gepäck nur höhnisches Gelächter übrig. Egal ob man mit dem Taxi oder dem Privatwagen ankommt: Bis heute hat die weltoffene Hansestadt nicht geschafft, was die Düsseldorfer schon seit drei Jahren machen: vor dem Eingang der Abflughallen Gepäckwägelchen bereitzuhalten. Während der Taxifahrer in dritter Reihe den Verkehr staut, muß man im Innern des Flughafens auf die Suche gehen. Draußen tickt derweil munter das Taxameter.

Bei aller Provinzialität verfügt der Hamburger Flughafen über eine regionale Spezialität: die Inlandsankunft und ihre drei Sonderprüfungen für Gepäckwagelchen. Außenstehenden sei erklärt, daß sich die Wägelchen nur bewegen, wenn man einen am Handgriff angebrachten Bügel niederdrückt. Diese trickreiche Erfindung bremst beim Loslassen des Bügels die Räder, hindert also das Wägelchen am Wegrollen. Nun führt aber der Weg von der Gepäckausgabe der Inlandsankunft zur Zollabfertigung eine schiefe Ebene hinunter. Wer sich im ersten Moment noch glücklich schätzt, ein Transportmittel mit eingebauter Bremse für den kontrollierten Abstieg zur Verfügung zu haben, stellt schnell fest, daß bergab, im gebremsten Zustand, keinerlei Korrektur der einmal eingeschlagenen Fahrtrichtung möglich ist.