Den Kursrutsch in Tokio zu Beginn dieser Woche hat der deutsche Aktienmarkt gut überstanden. Dafür gab es allerdings auch Gründe. Denn die deutschen Aktien hatten ihre Korrektur schon in der Vorwoche mit einem Rückgang des Deutschen Aktienindex um gut 5,5 Prozent hinter sich gebracht. Das war der höchste Wochenverlust seit dem Crash im Oktober 1987.

Im Gegensatz zu damals war dieser Kursverlust jedoch nicht das Resultat von Panikverkäufen, sondern trug alle Merkmale einer gesunden Konsolidierung. Und sie galt allgemein als überfällig. Ob sie schon abgeschlossen ist, vermag natürlich niemand zu sagen. Hoffnung macht auch, daß der Zinsanstieg gebremst wurde. Die gegenwärtigen Renditen nehmen viele Anleger, auch Teile der privaten Bankenkundschaft, zum Anlaß, ihre Rentenbestände vorsichtig aufzustocken, wobei die Möglichkeit eines weiteren Zinsanstiegs durchaus in Kauf genommen wird.

Mit einem Wiederaufleben der „Deutschland-Hausse“ wird – wenn überhaupt – erst nach den Volkskammerwahlen am 18. März gerechnet. Von einer frei gewählten Regierung wird erwartet, daß sie rasch Fakten auf den Tisch legen wird, die Aufschluß über die Belastung geben, die von der Bundesrepublik zu übernehmen sein wird. Im Augenblick spielt die „Ostphantasie“ nur noch unterschwellig bei der Aktienbewertung eine Rolle.

Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn die meist günstigen Nachrichten aus dem Bereich der Unternehmen in den Kursen höchstens kurzfristig ihren Niederschlag finden. Große Zuversicht herrscht allerdings an der Deutschen Terminbörse. Die Optimisten sind dort in der Überzahl, was Fachleute an dem Verhältnis von Kauf- und Verkaufoptionen erkennen. Diese Ziffer lag etwa bei Siemens, VW und Veba bei 7 : 1.

Beachtung fand an der Börse, daß in den vergangenen Wochen große Posten an Veba-Aktien aus dem Ausland zurückgeflossen sind. An einem einzigen Börsentag waren es sogar eine Million Stücke. Banken gehen davon aus, daß diese Veba-Aktien im Zusammenhang mit dem Untergang des Brokerhauses Drexel Burnham Lambert in New York auf den Markt kamen. Natürlich hat sich dieses Riesenangebot in den Kursen der Veba-Aktien niedergeschlagen, zusammengebrochen sind sie indessen nicht. Seit Tagen liegen sie sogar wieder im Aufwind. Die Veba gehört zu den Gesellschaften, die – wie andere Stromerzeuger auch – schon bald von den in die DDR gelieferten Strommengen profitieren werden. K. W.