Vermeintlich von der Geschichte überholte Lösungen vermögen bisweilen in Zeiten politischen Umbruchs dem Fortschritt den Weg zu ebnen. Dies zeigt das Beispiel des spanischen Königs Juan Carlos. 1975 von Franco gerufen, erwies sich der Bourbone nach dem Tod des Caudillo wider Erwarten als Integrationsfigur und Garant eines friedlichen, demokratischen Übergangs. Ein Modell auch für die Länder Osteuropas?

In Rumänien werden die Rufe nach einer Rückkehr von Michael I. lauter. Seit ihn die moskauhörige Regierung von Petru Groza 1947 zur Abdankung zwang, hat er sein Reich nie wieder betreten. Den tapferen Widerstand des Monarchen gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg vergaßen indes die Rumänen nicht.

An Hauswänden steht jetzt: „Wir wollen Brot und Michael“. Angehörige der Opposition fordern lautstark sein Comeback. Der Börsenmakler und Fluglehrer, der am Genfer See lebt, dämpft vorläufig allzu hohe Erwartungen: Nur wenn eine gewählte demokratische Regierung ihn riefe, wolle er zurückkehren.

In Ungarn träumen alte und junge k.u.k. Monarchisten von einer Auferstehung der Habsburger. Obwohl Kronprinz Otto, der älteste Sohn des letzten Königs Karl I., nie den Thron bestiegen hat, erfreut er sich bei vielen Magyaren ungebrochener Beliebtheit. Wenn der CSU-Politiker aus dem bayerischen Starnberg in der ungarischen Provinz auftaucht, wird er mit höfischem Zeremoniell empfangen und mit „Königliche Hoheit“ angeredet.

Die Partei der Kleinbauern, vor der Machtergreifung der Kommunisten die stärkste politische Kraft in Ungarn, drängt ihn zu einer Kandidatur bei der Wahl zum Staatspräsidenten im März. Doch Otto von Habsburg winkt ab: Er könne auch als Europa-Parlamentarier viel für Ungarn tun. Man solle doch politischen Talenten im Land eine Chance geben.

In Bulgarien wird ein anderer royalistischer Ruheständler als politische Trumpfkarte ins Spiel gebracht. Eine Monarchistische Partei strebt die Wiederkehr des Zaren-Sohnes Simeon II. an. Der damals sechsjährige Knabe mußte 1946 seine Heimat verlassen, als die Sozialistische Volksrepublik ausgerufen wurde.

Nachdem ihn nun auch die reformierte KP in seinem spanischen Exil umwirbt, ist Simeon zur Rückkehr bereit. Er möchte – so verkündete der Finanzmakler seinen Untertanen – als erster Diener seines Staates mithelfen, Bulgarien zu einer Demokratie umzugestalten.