Diese Begegnung war fällig: Ulrich Wildgruber spielt Thomas Bernhard. Vor achtzehn Jahren, bei der Salzburger Uraufführung von „Der Ignorant und der Wahnsinnige“, hatten sich die beiden zum letzten Mal getroffen. Wildgruber war der Vater der „Königin der Nacht“, der „Koloraturmaschine“ – eine große, beinahe stumme Rolle.

Wir erinnern uns an Angela Schmids Nachtigallensopran, an den furiosen, wie von Dämonen gejagten Auftritt von Bruno Ganz (als „Doktor“) und an Wildgruber: wie er dampfend, brütend, schwitzend in der Szene hockte, ein tragischer Ochsenfrosch, ein vom Einsturz bedrohtes Monument des Menschenunglücks und der Vaterliebe.

Und natürlich erinnen wir uns an den kleinen Skandal, den es damals gab – an Thomas Bernhards Forderung, am Ende der Aufführung das Notlicht im Zuschauerraum auszuschalten, an das Verbot der Salzburger Feuerpolizei und an des Dichters biblische Schmähreden, von deren Folgen sich Salzburg bis zum heutigen Tag nicht erholt hat.

Nun kehrt Wildgrubei zu Bernhard zurück – und sinnigerweise ist das Große Salzburger Notlichttheater eine Episode am Rande der Komödie vom „Theatermacher“, die Peter Lösche am Hamburger Schauspielhaus inszeniert hat.

In Utzbach nämlich versteht die Feuerwehr mehr von der Kunst als in Salzburg. In Utzbach darf am Erde absolute Finsternis herrschen – aber eine Rettung ist das nicht. Denn bevor der Vorhang sich hebt, brennt das Pfarrhaus neben dem Wirtshaus ab. „Das Rad der Geschichte“, Herrn Bruscons „Menschheitskomödie“ und „Geschichtsstandpauke“, bleibt unaufgeführt.

Traugott Buhre spielte den Theatermacher bei der Salzburger Uraufführung mit geheimratshafter Würde und Schwere – Wildgruber betritt die Bühne im Sturmlauf. Verstrickt sich sogleich in einen Slapstick-Kampf gegen die kunsttötende Häßlichkeit um sich herum. Tritt stolpernd in einen Pappkarton, reißt die Karnevalsluftschlangen von der ärmlichen Wirtshausbühne, schleudert das vertrocknete Weihnachtsbaum-Skelett in den Saal. Und der Wirt (den Christian Redl ergötzlich stumpfsinnig vorführt, mit nassem Haarkranz und fettiger Glatze) hat diesem graziösen Amoklauf nichts als dumpfe Abscheu entgegenzusetzen.

Der Theatermacher tritt auf. Wildgruber ist da. Der Satyr ist los.