Hilfe für Heine in New York

Heine? Heinrich Heine? War das nicht ein Dichter deutscher Sprache? Ja, nur wollten seine Landsleute nicht viel mit ihm zu schaffen haben, nicht erst die Nazis. Als 1888 die Kaiserin Elisabeth von Österreich bei dem deutschen Bildhauer Ernst Herter (1846-1917) ein Denkmal in Auftrag gab, das Heines Heimatstadt Düsseldorf zieren sollte, lehnten die Stadtväter das als „Lorelei-Brunnen“ ausgearbeitete Werk ab. Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft in New York erwarb das Denkmal 1893 für eine damals gutbürgerliche Gegend auf dem Grand Concourse an der 164. Straße in der Bronx. Inzwischen ist der Denkstein mit Graffiti verschmiert, das Medaillon mit dem Porträt des Dichters verstümmelt, sind Köpfe und Arme der Rhein-Nixen abgehauen. Doch wer sorgt sich um Heines Ansehen in New York? Keine deutsche Gesellschaft, sondern, beschämend für die im Einheits-Rausch lallende Nation, lateinamerikanische Literaturfreunde um die kolumbianische Dichterin Adela de Luppi und den Präsidenten der Gesellschaft für puertoricanisch-historische Kultur, Peter Bloch – nur, weil Heines Mutter spanisch-jüdischer Abstammung war. Wer für die Rettung des Denkmals und seine Verlegung in den Botanischen Garten spenden will, wende sich an Peter Bloch, 83 Park Terrace West, New York, N. Y. 10034.

Michael Powell

Seine ersten Filme drehte er Anfang der dreißiger Jahre. Zwischen 1940 und 1960 gehörte Powell zu den wichtigsten Regisseuren Englands. 1939 drehte er „The Spy in Black“, ein Spionagedrama aus dem Ersten Weltkrieg, zu dem der ehemalige Ufa-Autor Emeric Pressburger das Drehbuch geschrieben hatte. Es war der Beginn einer im Kinogeschäft einzigartigen Zusammenarbeit. Fünfzehn Jahre lang, von 1942 bis 1956, schrieben, inszenierten und produzierten Powell und Pressburger gemeinsam: Satiren („The Life and Death of Colonel Blimp“, 1943), Melodramen („Schwarzer Narziß“, 1947), Tanz- und Operettenfilme („Die roten Schuhe“, 1948; „Hoffmanns Erzählungen“, 1951; „Die Fledermaus“, 1955). Powell und Pressburger glaubten an das Kino als Kunst: In ihren Technicolor-Filmen triumphierte das Malerische über den Stoff, in ihren Stoffen das Theatralische über die Realität. Als Powell wieder allein arbeitete, drehte er nur noch einen einzigen großen Film: „Peeping Tom“ (1959), die Geschichte eines Kameramanns (Karlheinz Böhm), der seinen Apparat in ein Mordinstrument verwandelt und seinen Opfern durchs Objektiv beim Sterben zuschaut. Die Kritiker vernichteten den Film, Powells Existenz als Regisseur war ruiniert. So ging er den Weg, den Griffith und Stroheim gegangen waren, in die Vergessenheit und den späten Ruhm. „Peeping Tom“ gehört zum ewigen Bestand des Kinos und sein Regisseur zu den Großen seiner Kunst. Am Montag vergangener Woche ist Michael Powell in Gloucestershire gestorben, 84 Jahre alt.

Letzte Meldung

In wichtigen Zeitungen (wie dieser hier) gibt es für die wirklich wichtigen Themen immer viel zu wenig Platz. Vollends hoffnungslos wird die Situation, wenn gleich mehrere Meldungen den fachkundigen Kommentar der Redaktion verlangen. Die wirklich wichtigen Meldungen der vergangenen Woche lassen sich (wie alles in dieser Welt und in dieser Zeitung) in drei Sätzen zusammenfassen: Erstens will Burgtheaterdirektor Claus Peymann nun endgültig Österreicher werden. Zweitens dürfen künftig auch verheiratete Frauen am Passionsspiel von Oberammergau teilnehmen. Drittens diskutiert man in der Burgergemeinde Zermatt leidenschaftlich über die mögliche nächtliche Illuminierung des Matterhorns. Wir kommen zum Schluß. Und schlagen vor: erstens die Verlegung des Oberammergauer Passionsspiels in die Matterhorn-Nordwand. Zweitens die Verlegung des Matterhorns nach Oberammergau (wahlweise Unterammergau), was landschaftsästhetisch vorteilhaft wäre, da bisher nur Zwerg-Berge wie Hörnle und Laber Unter- und Oberammergau umstellen. Da beide Projekte noch längerer Vorarbeiten und exakter finanzieller Kalkulation bedürfen, schlagen wir als preisgünstige Sofortmaßnahme, drittens, die unverzügliche nächtliche Illuminierung von Burgtheaterdirektor Claus Peymann vor. Die dramaturgischen Vorarbeiten hierzu haben unter der Leitung von Hermann Beil und unter der Schirmherrschaft der ZEIT bereits begonnen.