Von oben

Alles Gute kommt von oben – auch aus dem Westen. Als die Leipziger SPD am vergangenen Sonntag das Sprichwort mit dem von hüben alimentierten Wahlkampf vermengte, tat sie jedoch des Guten zuviel. Über dem inzwischen berühmten Karl-Marx-Platz ließen die sächsischen Sozialdemokraten Flugblätter auf ihre Anhänger niederregnen. Wer aus Gosse oder Gebüsch das im Westen bedruckte Papier auflas, dem fielen ein paar Gebote aus dem nur Stunden zuvor beschlossenen Wahlprogramm der Sozialdemokraten ein. Darin hieß es zum Beispiel: „Abfall vermeiden ist besser als Abfall beseitigen.“ Die Ost-SPD hat offenbar schnell vom Westen gelernt: Selbstauferlegte Grundsätze werden im Wahlkampf über Bord geworfen.

Zwei Fliegen

Ausgerechnet die Schweizer Bankenhochburg Zürich könnte bei den bevorstehenden Stadtratswahlen von den Linken erobert werden. Nach Meinungsumfragen erscheint eine Mehrheit für Sozialdemokraten und Grüne wahrscheinlich. Diese düstere Prognose hat die Bürgerlichen nervös gemacht. Hans Brenner, der für die Gewerbe- und Bauernpartei SVP ins Rennen geht, versucht daher, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Auf seinen Plakaten verspricht er, sich vor allem der Pflege der Gärten und Parks anzunehmen. Jeder in der Limmat-Stadt weiß natürlich, daß Brenner diplomierter Gärtnermeister ist, der Geschäftssinn mit Gemeinsinn paart: Mißrät ihm der Sprung in die Züricher Regierung, kann er seine Wahlkampfkosten als Werbeaufwand für seinen Betrieb verbuchen.

Prämiert

Der Art Directors Club in Deutschland, der jährlich besonders gelungene graphische und filmische Arbeiten prämiert, hat erstmals auch Zeitungen begutachtet. Dabei haben die Graphiker der ZEIT besonders gut abgeschnitten. Vier von ihnen gestaltete Seiten wurden mit je einer Bronzemedaille bedacht, weil die Arbeiten „durch Originalität, Machart und Inhalt Denkanstöße“ gaben und somit „deutlich über dem Durchschnitt“ lagen. Alle preisgekrönten Werke werden derzeit im Berliner Gropius-Bau ausgestellt.

Richtiger Stolz

Durch eine Übermittlungspanne hat sich in den Artikel von Marlies Menge „Die Angst vor dem Ausverkauf“ (ZEIT Nr. 9) ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. Hans Modrow zeigte bei seinem Bonn-Besuch nicht protzigen, sondern trotzigen Stolz.