Wind und Wetter haben wieder einmal den Fahrplan durcheinandergewirbelt. Für den Intercity wird „Verspätung im Stundentakt“ gemeldet. Obwohl die freundliche Stimme aus dem Lautsprecher die „verehrten Fahrgäste“ um Verständnis bittet, ärgert sich der Reisende. Daheim warten die Lieben und sorgen sich nun womöglich.

„Ruf doch mal an“, fällt ihm da ein. Er zückt das Portemonnaie, kramt das für solche Fälle versteckte Markstück hervor – und da, wie praktisch, nur wenige Schritte entfernt, noch auf dem Bahnsteig und sogar frei, ist schon die nächste Telephonzelle.

Der Apparat indes verschmäht schnöde das Geld. „Telephonieren ohne Münzen“, prangt auf einem Werbeplakat, „grenzenlos und -günstig“. Der Reisende schaut verdrießlich – Tausende von Bahnkunden jedoch werden laut jubeln. Endlich steht das öffentliche Kartentelephon auch auf dem Bahnsteig. Der Reisende von Welt, und wer ist das nicht, kennt das Telephonieren à la carte ja bereits bestens: In unzähligen vornehmen Hotels, aber auch am Pariser Gare du Nord oder auf der Stazione Termini in Rom gehört es längst zu den Selbstverständlichkeiten.

Und ohnehin, wer zahlt denn noch mit Bargeld? Das Erste-Klasse-Ticket begleicht der weltgewandte, weitgereiste Fahrgast ja seit je und eh mit dem Eurocheque, den Geschäftspartner lädt er mit der goldenen Kreditkarte zur Nouvelle cuisine ein, den Koffer für die Reise hat er mit der gewöhnlichen gelöhnt. Nur für den Anruf vom Düsseldorfer Hauptbahnhof mußte er bisher das lästige, platzraubende und unhygienische Kleingeld durch die weite Welt schleppen. Gut, daß diese Zumutung nun vorbei ist!

Pech nur für unseren Reisenden: Er gehört nicht zur exklusiven Schar der Bahn-Globetrotter mit Plastikgeld, und so hat er die Karte mit den 200 Einheiten nicht in der Brieftasche stecken. Wann muß er schon vom Bahnhof telephonieren?

Hinunter also in den stickigen Bahnhofstunnel. Acht Telephonzellen sind hier aufgereiht, dekorativ gerahmt von Imbißstand und Herrentoilette. Seltsam, denkt der Reisende von weitem, warum sind nur vier Apparate besetzt? Von nahem freilich ist die Sache klar: Auch hier lassen sich die freien Fernsprecher nur à la carte füttern. Vor den vier Münzapparaten aber drängelt sich derweil ein halber Zug Bundeswehrsoldaten. Der Reisende faßt sich in Geduld.

Nach weiteren zehn Minuten, in denen nebenan natürlich niemand die Karte gezückt hat, ist dann auch er an der Reihe. Endlich kann die gute alte Mark ihren Zweck erfüllen. Freizeichen, wählen, warten ... Niemand daheim. Entnervt läßt der Reisende den Hörer sinken und hastet zurück zum Bahnsteig. Da kommt auch schon der verspätete IC.