Vorige Woche haben wir endlich mal wieder gern im stern gelesen – im stern, der vormals unser absolutes Lieblingsmagazin war. Zunächst freilich hatten wir bei der Lektüre eine kleine Enttäuschung zu verdauen: Das stern-Editorial fehlte! Die knallharte Rolf-Schmidt-Holtz-Kolumne mit dem knallharten Rolf-Schmidt-Holtz-Photo. So fühlen wir stern-Leser uns in dieser Woche doch ein wenig politisch desorientiert und erotisch ausgehungert.

Doch die ganz exzellente Titelgeschichte über Fräulein Sina Geißler, 24, („Ich bin Masochistin“) hat den kurzen Anfangsschmerz dann mehr als wettgemacht. Dieser Bericht nämlich, dieser leibhaftige Aufmacher, ist endlich einmal wieder ein Beispiel für zupackenden (und dabei doch wahrhaft humanen) Journalismus. Wir hatten, geben wir es ruhig zu, am Ende der Lektüre feuchte Augen. Sina Geißlers Schicksal hat uns tief betroffen gemacht und menschlich angerührt. Und auch die Geschichte von Irm, der 46jährigen Bankangestellten, die sich von ihrem Robert immer heißes Wachs zwischen die Schenkel schütten läßt, zieht uns schaudernd in die Abgründe der menschlichen Existenz.

Jetzt, lieber ZEIT- Leser, kommt der Schock! Auch für den Verf. dieser Kolumne ist es Zeit, ans Licht zu treten. Hören wir sein schreckliches Geständnis:

Auch ich, Finis, bin Masochist! An meinen Qualen gemessen allerdings (verzeihen Sie, liebe Sina Geißler, lieber Rolf Schmidt-Holtz!), sind die im stern geschilderten Verirrungen nachgerade harmlos. So, wie ich mich quäle, quält sich kein anderer.

Ich lese jeden ZEIT- Leitartikel und jedes stren-Editorial – und zwar bis zum Ende! An gewissen warmen Vorfrühlingstagen treibe ich dies Laster sogar mehrmals hintereinander – ist es nicht grauenvoll? Im Fernsehen warte ich nicht auf Dallas oder Denver Clan und schon gar nicht aufs Mannermagazin. Erst wenn Ernst-Dieter Lueg auftritt oder Otto Diepholz oder Wetterfrosch Leonhard Adams, spüre ich im Nacken die berühmte Gänsehaut. Ich träume nicht (wie jeder anständige deutsche Mann) von Kati Witt (oder meinetwegen Stefanie Graf), sondern immer von Ministerin Wilms und Geschäftsführerin Fuchs. Ich habe Frauenherzen gebrochen (serienweise) – aber nicht, indem ich schöntat wie Robert Redford oder schüchtern wie Woody Allen, sondern indem ich Redeweise, Körpersprache und glasklaren Blick von Gerhard Stoltenberg gekonnt imitierte.

Genug für heute! Demnächst erzählt Ihnen „Das Letzte“ mehr von den letzten Geheimnissen der menschlichen Seele. Ein journalistisches Sodom und Gomorrha wird sich vor Ihnen in dieser Spalte auftun. Jetzt rede ich! Jetzt sage ich alles. Finis