Von Frank Drieschner

Gottingen

Vorhang auf, Chemie für’s Volk. Die Frau: "Also ehrlich, Herr Doktor, ich muß ja amtlich den Mund halten, aber ganz privat, ich habe auch Angst vor der Chemie... Wissen Sie, überall ist Gift, ist Chemie. Obst, Gemüse, alles bespritzt, alles Chemie ..."

Der Mann: "Stimmt. Ich will Ihnen mal erzählen, warum. Wir haben rund fünf Milliarden Menschen auf der Welt. Die Hauptnahrung aller Menschen besteht aus Kulturpflanzen. Ohne Kunstdünger würden diese Kulturpflanzen, jedenfalls in der Menge, wie wir sie brauchen, nicht wachsen ... Wir, die Chemie, könnten theoretisch dafür sorgen, daß alle Menschen ausreichend ernährt werden."

Sie ist Sekretärin und soll laut Rollenbeschreibung als "Stimme des Volkes" auftreten: "naiv und unbefangen". Er arbeitet als Umweltfachmann für einen Chemiekonzern, "man traut ihm zu, alles im Griff zu haben". Aber noch ist die Sekretärin nicht überzeugt:

"Ich weiß nicht so recht, unheimlich ist mir die Chemie doch allemal. Aber der Kaffee ist jetzt fertig. Ein guter Kaffee. Da ist keine Chemie drin, gell?"

"Tut mir leid. Ohne Chemie keine Kaffeemaschine, keine Tassen, kein Filterpapier..."