Die Kollegen von der neuen Nachtschicht arbeiten nur 36 Stunden pro Woche

Von Heinz Blüthmann

So glatt und problemlos, wie Rolf Breuer glauben machen will, lief die Sache keineswegs. Breuer ist Chef des Betriebsrates im Opel-Werk Bochum. Und Betriebsräte müssen zumindest nach landläufiger Auffassung und nach der offiziellen Beschlußlage der Gewerkschaft IG Metall eigentlich verhindern, was Breuer mitgeholfen hat, erstmals in einer bundesdeutschen Automontage zu realisieren: die dritte Schicht – permanente Nachtarbeit für 1300 "Opelaner".

Vom 1. April dieses Jahres an werden im Bochumer Karosseriewerk von Opel auf Dauer an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr Autos zusammengebaut. Das hat bisher noch kein Autohersteller hierzulande versucht – und noch nie ein Betriebsrat gutgeheißen.

Auch der Marktführer Volkswagen hat zwar kürzlich mit dem Betriebsrat eine Nachtschicht im Stammwerk Wolfsburg vereinbart, aber die weist alle Merkmale eines Provisoriums auf: Die Nachtarbeit ist für den einzelnen VW-Beschäftigten auf maximal drei Monate begrenzt, und die Einigung mit den Arbeitnehmervertretern gilt lediglich bis zum Jahresende. Immerhin: Auch die VW-Nachtschicht, die 900 neue Jobs in Wolfsburg schafft, ist eine kleine Sensation.

Denn die IG Metall war immer – zuletzt auf dem Gewerkschaftstag im Oktober 1989 – strikt gegen jede Ausweitung der Schichtarbeit, bestätigt Betriebsrat Breuer, besonders in der Nacht. Doch Breuer hatte gute Argumente für die dritte Schicht und bekam schließlich auch von den Funktionären eine Art von zähneknirschender Zustimmung. Als Breuers Mitstreiter bewährte sich dabei Richard Heller, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Adam Opel AG in Rüsselsheim. Heller gab die Parole aus: "Zwischen Montagmorgen und Freitagnacht ist alles möglich."

Drei Argumente