Auch an dieser Stelle wollen wir unser Scherflein dazu beitragen, daß zusammenwachst, was zusammengehört. Es geht um die nationalen Symbole, für die wir konstatieren können, daß die deutsche Einheit bereits nahezu komplett ist.

Bei der Flagge hat man es in der DDR ja relativ einfach gehabt. Die Montagsdemonstrationen begleitet das schwarzrotgoldene Tuch, wie es im ersten Jahrzehnt schon aussah, ohne das Emblem des Arbeiter- und Bauernstaates. So symbolisiert es auch die BRD, allerdings bisher nicht auf Demos.

Mit der Annäherung der Hymnen ist man auch auf gutem Wege, wenngleich sich hier einiges komplizierter gestaltet.

Die DDR-Hymne durfte seit Anfang der siebziger Jahre bekanntlich nicht mehr gesungen werden. Aber die Zeile daraus „Deutschland einig Vaterland“, die das Verbot begründete, ist nun wieder in aller Munde, wenngleich nicht in der Intonation von Hanns Eisler „Deutschland einig Vaterland“ überschreibt den Modrow-Plan ebenso, wie er als verbaler Cantus firmus der Sprechchore auf den Straßen zu hören ist.

Auch bei Wahlveranstaltungen der Parteien in der Bundesrepublik drangt sich die Hymnenzeile als Slogan vor und ersetzt unser „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Deutet sich bei der Einvernahme der DDR damit also wenigstens die Übernahme der DDR-Hymne als gemeinsame Nationalhymne an? Manches spräche dafür.

Denn mit der Intonation unserer Hymne, selten geübt, hapert es in entscheidenden Augenblicken, wie wir bei der denkwürdigen Veranstaltung vor dem Schoneberger Rathaus im November 89 durch einen kleinen hochrangigen Männerchor erfahren haben, obgleich die Melodie des Österreichers Joseph Haydn, in Diensten eines ungarischen Magnaten (auf den Text „Gott erhalte Franz den Kaiser...“), doch hinreichend bekannt ist.

Die schon getragene Hymnen-Weise des Schonberg-Schulers Hanns Eisler aus Leipzig dagegen mußte zwar erst gelernt respektive in der DDR wieder gelernt werden, aber das wäre in der gemeinsamen nationalen Anstrengung, die uns die deutsche Einheit auferlegt, doch ein Klacks Auch erinnern sich Sportfreunde ihrer noch von den Olympischen Spielen.