Von Hans-Ulrich Stoldt

Lübeck

Der 22jährige Robert Weiß behauptet, auf dem Ersten Lübecker Polizeirevier mißhandelt worden zu sein. Was sich am 2. Dezember vergangenen Jahres auf der Wache in der Mengstraße abgespielt haben soll, beschreibt er in einem Gedächtnisprotokoll so: „Beamter Y riß derart an den Haaren, daß meine rechte Flanke frei wurde, in die der Beamte X mehrmals hineintrat. Ich sagte den Beamten erneut, daß ich nichts sagen würde und daß sie mich nicht zu schlagen brauchten. Die Beamten ließen nicht von mir ab. Beamter X trat erneut in meine rechte Flanke, titulierte mich als ‚Stinksau, rote Zecke, stinkendes Arschloch‘ etc. Zum Schluß trat er mehrmals auf meinen rechten Fuß, der lediglich besockt war. Er verließ als letzter meine Zelle. Im Hinausgehen drohte er mir, er würde mir alle Knochen brechen, wenn ich weiterhin nichts sage.“

Soweit kam es nicht. Noch am selben Tag wurde Robert Weiß freigelassen. Im Krankenhaus ließ er sich einen Bluterguß am Oberarm, Schwellungen am rechten Fuß und „Rötungen“ auf der rechten Körperseite bescheinigen.

Lübecks Polizeichef Heinz-Günther Habe kann sich „überhaupt nicht vorstellen“, daß es zu den behaupteten Mißhandlungen gekommen sei. „Ich habe kein Vertrauen zu der Sachverhaltsschilderung“, sagt er. Gegen Robert Weiß ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Weiß seinerseits hat die Polizisten der Mengwache angezeigt.

Die Festnahme hat eine Vorgeschichte. Robert Weiß gehört zum „Lübecker Bündnis gegen Faschismus“, einem Zusammenschluß verschiedener Initiativen und Gruppen, die sich als Ziel gesetzt haben, bei der bevorstehenden Kommunalwahl den Einzug rechtsradikaler Parteien in das Rathaus der Hansestadt zu verhindern.

Am 17. November vergangenen Jahres starb in Göttingen die Studentin Cornelia (Conny) Wessmann. Sie war nach Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und Skinheads auf der Flucht vor der Polizei von einem Auto überfahren und tödlich verletzt worden. „Conny war die erste“, drohten anderntags Graffiti von Lübecker Häuserwänden, und: „Tote Conny, gute Conny“.