In dem Streit mit französischen Banken hat die DG Bank schlechte Karten

Von Bernhard Blohm und Udo Perina

Das ist Chefsache“, bestimmte der Verwaltungsrat der Deutschen Genossenschaftsbank am Freitag voriger Woche. Und so setzte sich Helmut Guthardt am folgenden Dienstag ins Flugzeug nach Paris. Der Chef der DG Bank soll einen Finanzkrieg beenden, der derzeit die Spalten der Internationalen Wirtschaftspresse füllt. Sogar die Bild- Zeitung machte sich schon Sorgen um „Millionen Sparer“, die ihr Geld verlieren könnten. Das ist zwar blanker Unfug, und der Präsident des genossenschaftlichen Bankenverbandes in Bonn, Wolfgang Grüger, beruhigte die Gemüter mit dem ganz gewiß zutreffenden Hinweis, daß von einer Gefahr für die Sparkonten nicht die Rede sein könne. Aber das war eine willkommene Gelegenheit für die Springer-Presse, der eng mit ihrem Intimfeind, dem Medienhändler Leo Kirch, verbundenen DG Bank eins auszuwischen.

Allerdings, um Kleinkram geht es bei dieser Affäre ganz gewiß nicht. Das Spitzeninstitut der rund 3200 deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken streitet mit neun französischen Banken um Wertpapiergeschäfte über sechs Milliarden Mark. Genauer: Keiner möchte jetzt diese Wertpapiere haben, die Kontrahenten kämpfen darum, wie oft diese zwischen ihnen hin- und herverkauft wurden.

Noch steht nicht fest, wer bei diesem Milliardenpoker die besseren Karten besitzt, aber vieles deutet darauf hin, daß es schlecht aussieht für die Frankfurter Genossenschaftler. Keinen Zweifel gibt es mehr daran, daß die Geschäfte ihres inzwischen gefeuerten Chefhändlers für festverzinsliche Wertpapiere, Friedrich Steil, nicht sauber waren, und auch nicht daran, daß die DG Bank bisher dabei eine unrühmliche Rolle spielt – zum eigenen Schaden ganz gewiß, möglicherweise aber auch zum Schaden für das deutsche Bankgewerbe insgesamt.

Ein Zufall brachte die Affäre ans Licht. Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuarbeit nahmen Ende vorigen Jahres routinemäßig die Geschäfte der Bausparkasse Schwäbisch Hall, einer Tochter der DG Bank, unter die Lupe. Dabei stießen sie auf einen Handel mit der Frankfurter Genossenschaftsbank, der sie stutzig machte. Die Bausparkasse hatte Wertpapiere der DG Bank für 1,2 Milliarden Mark in Pension genommen, also Anleihen von der Bank für einen gewissen Zeitraum gekauft, die danach zu einem vorher festgelegten Preis wieder zurückgegeben werden sollten. So stand es jedenfalls in den Büchern der Bausparkasse. Das ist zunächst einmal noch nichts Ungewöhnliches. Für Schwäbisch Hall ist das ein reines Zinsgeschäft. Solange die Papiere in ihrem Bestand sind, kassiert die Bausparkasse die Zinsen und obendrein eine kleine Provision, die das Geschäft lukrativer macht. Und die DG Bank bekommt dadurch Geld in die Kasse, mit dem sie etwas anderes machen kann.

Ungewöhnlich war allerdings, daß die Treuarbeit bei der DG Bank, die ebenfalls von der Gesellschaft geprüft wird, keine Gegenbuchung für das Pensionsgeschäft fand. Dort waren die 1,2 Milliarden Mark nur als reiner Verkauf von Wertpapieren an die Bausparkasse verbucht worden. Nirgendwo fand sich ein Hinweis, daß diese Papiere dereinst wieder auf Konten der Bank landen würden.