Dies vorweg, ich habe schon Hut getragen, lange bevor sich Udo Lindenberg, Drafi Deutscher oder Harald Juhnke das Ding mit der breiten Krempe aufs Haupt stülpten, um erkannt zu werden. Ich wollte allerdings damals, so Anfang der vierziger Jahre, vor allem unerkannt bleiben, um als Jugendlicher die Kontrollen bei dem "nicht jugendfreien" Marika-Rökk-Film "In einer Nacht im Mai" schadlos zu überstehen. Mit Hut wirkte man erwachsener, damals.

Ich blieb dieser Art von Kopfbedeckung auch nach dem Kriege treu, bis hin zu jener denkwürdigen Reise mit der Fußballnationalmannschaft nach Albanien – das war vor mehr als zwanzig Jahren –, als mich mein breitrandiger Hut sozusagen der Lächerlichkeit preisgab. Die Leute in Tirana, an Ballonmützen "made in China" gewöhnt, hatten so was offensichtlich noch nicht erlebt. Sie liefen hinter mir her, zeigten mit Fingern auf meinen Breitkrempigen und wollten sich totlachen.

In den Jahren danach stülpte ich mir, große Vorbilder vor Augen, eine Prinz-Heinrich-Mütze aufs Haupt. In Hamburg, wo ich zu Hause bin, lachte natürlich keiner. Und in der Schweiz sahen sie darüber hinweg, wenn ich bei den jährlichen Ruderregatten von Luzern mit dieser Kopfbedeckung aufkreuzte. Die blaue Mütze vertrug sich ganz offensichtlich mit dem Wasser des Rotsees.

Aber dann kam jener Tag, an dem sich für mich alles ändern sollte. Ein guter Kollege kam in die Redaktion und schenkte mir eine Mütze, "made in Ireland" und hand-tailored, die so sportlich-nobel aussah, als hätte ich beim Derby mehrere Pferde laufen. Und obwohl ich anfängliche Bedenken hatte, ob diese Art der Kopfbedeckung zu mir passen würde, ich setzte das Prachtstück auf und bekam es im Laufe der nächsten zehn Jahre kaum noch runter, wenn ich auf die Straße ging.

Die Mütze gehörte zu mir wie eine zweite Haut. Und je häufiger ich sie trug, desto stärker wurde mein Mützen-Bewußtsein. Das wurde mir stets besonders deutlich, wenn ich Jahr für Jahr zum Deutschen Galopp-Derby nach Hamburg-Horn ging, um darüber zu berichten. Denn hier nun stand ich unter Menschen, für die meine Mütze als Statussymbol eines Pferdeexperten gelten konnte, ohne daß ich jemals ein Pferd gehabt hätte.

Im Laufe der Jahre verschliß sich meine Mütze. Die Farben wurden blasser, das Etikett war kaum noch zu entziffern. Aber die Mütze behielt ihre Form. Ich habe mir danach noch einige Mützen gekauft, die so ähnlich aussahen. Aber obwohl sie die richtige Größe hatten, sie "paßten" mir nicht.

Ich trage sie also immer noch, die alte Mütze von damals, die so aussieht, als sei ihre postume Existenz an unserem Kleiderhaken längst eingeläutet. Aber ich nehme sie mit ins Restaurant und ins Theater; ich gebe sie an der Garderobe ab und warte nur auf den Augenblick, in dem mir einer sagen sollte: "Du brauchst endlich mal eine neue Mütze." – Ich hätte Schwierigkeiten, es ihm zu verzeihen.