Einem Ausbruch von Wut verdankt, so sagt es eine kenianische Legende, der Baobab, der Affenbrotbaum, sein knorriges Aussehen. Da hat doch ein ostafrikanischer Teufel solch einen Baumriesen gepackt, aus dem Boden gerissen und verkehrt herum, mit den Wurzeln nach oben, in den Krater gewuchtet. Tatsächlich sehen die Äste in dem Halbjahr, in dem sie keine Blätter tragen, mehr wie Wurzeln aus. Mit Laub kann dieser prächtige Baum der Schattenspender für ein ganzes Dorf sein. Teufelswerk habe ich mir immer ganz anders vorgestellt.

Im Urwald der Küstenregion ist der Baobab nur eine von 350 Baumarten. Doch von diesem Urwald sind gerade noch zehn Prozent übrig. Die Industrie und vor allem die Hotellerie siedeln bevorzugt an der Küste und somit auch die rapide wachsende Bevölkerung, was mit Landverbrauch einhergeht. Aus dem Wald wird Brennholz geschlagen; er wurde in Ackerfläche verwandelt oder zu Holzkohle verschwelt. Als Energie für Kalk und Zementfabriken.

Die Affenbrotbäume überlebten bisher den Kahlschlag. Nicht weil sie zu ehrwürdig wären oder gar heilig. Viel einfacher: Das Holz ist weich, der Brennwert gering. Und wo gibt es Sägen, die einen Baum von zwanzig Metern Durchmesser zerteilen könnten? Deshalb stehen die Riesen jetzt als einsame Wächter in der Landschaft, dort, wo sie nicht als Dekoration auf Hotelarealen dienen – nachts illuminiert wie die Kuppel des Petersdoms.

Aber ein Baobab kann tausend Jahre alt werden, und wer weiß, ob nicht seine einstigen Baumgenossen eines Tages wieder von den Shimba Hills herabsteigen, um dem einsamen König die Ehre zu geben. Der Wald könnte sich vielleicht auch aus einigen Biotopen der Ebene heraus regenerieren. Eine Änderung im Umweltbewußtsein vorausgesetzt.

Eine Rückzüchtung des Küstenurwaldes wäre dem Schweizer Tropenagronom René Haller zuzutrauen. Er versucht mit Geduld, die komplizierten Mechanismen der Schöpfung zu entschlüsseln. Sein Experimentierfeld ist ein gewaltiger Steinbruch um eine Zementfabrik. Die Gier dieser Kalkfresserin nach fossilem Korallenkalk hat an der Bamburi Beach eine Mondlandschaft entstehen lassen, die nach und nach aufgeforstet wird. Was nicht ohne ein Übermaß an Engagement zu bewerkstelligen ist.

Hallers Erkenntnisse stehen heute Interessierten weit über die Grenzen Kenias hinaus zur Verfügung. Seinen sichtbaren Erfolg bewundern Einheimische wie Touristen auf den gewundenen Pfaden des artenreichen, üppig grünen „Bamburi Nature Trail“.

Grün ist auch Mombasa durch seine tropische Vegetation. Die Küstenmetropole ist nach Nairobi die zweitgrößte Stadt Kenias, diesem aber an Alter und Würde um Jahrhunderte voraus. Grün ist Mombasa auch durch die Farbe des Propheten Mohammed, dessen Lehre die Sultane von Oman und Sansibar mit dem Schwert zu verbreiten halfen. Die Portugiesen hielten trotzig mit Christentum und Schwarzpulver dagegen. Fort Jesus gibt mit seinen rostigen Kanonen ein Zeugnis davon.