Hamburg

Die Schüler von Hamburg und Schleswig-Holstein sind es leid, im Unterricht immer nur Horrorgeschichten über den Verpackungswahn und die Müllberge zu hören. Sie wollen Taten sehen.

„Die Einwegverpackungsflut von unseren Schulen zu verbannen ist unser erklärtes Ziel“, steht auf einem Flugblatt der „Schülerinnenkammer Hamburg“. Die Kammer rief alle Schüler zu einem zweiwöchigen Boykott aller Produkte auf, die in Wegwerfverpackungen angeboten werden. Insgesamt 50 Hamburger und 65 Schleswig-Holsteiner Schulen folgten dem Aufruf und verkaufen in den Pausen nur noch unverpackte Produkte: Quark gibt es jetzt in Waffeln, und die Milch füllen die Schüler aus Literflaschen in Gläser.

Mit ähnlichen Aktionen hatten im vergangenen Jahr Schüler in Niedersachsen für Aufsehen gesorgt, und, siehe da, schon stellen sich erste Erfolge ein: Die Hansa-Meierei, die fast alle Hamburger Schulen mit Milch versorgt, kündigte an, von Herbst dieses Jahres an Schulmilch nur noch in umweltfreundlichen Pfandflaschen zu liefern. Die Schüler werden dann auch die gewünschten Viertelliterflaschen bekommen. „Das ist wie bei einem Ball, den muß man auch erst einmal ins Rollen bringen“, sagt Sascha Sinstorf, einer der Initiatoren des Hamburger Boykotts.

Gabor Kalmar ist Sprecher der Aktion. Er zweifelt indes noch an der Glaubwürdigkeit der Milchindustrie. „Solange wir die Mehrwegglasflasche nicht in der Hand halten, so lange werden wir kämpfen“, sagt Kalmar. Der Argwohn ist verständlich, hatte der wortgewandte Pressesprecher der Hansa-Meierei, Ernst Mackenbrock die Umstellung doch ursprünglich schon für den Juli dieses Jahres zugesagt. Außerdem wirbt die Hansano, ein Dachverband von Molkereien, zu denen auch die Hansa-Meierei gehört, auf ihren Milchkartons unerschrocken für die ökologisch bedenkliche Verpackungsart.

Während die Hamburger Schulbehörde sich darauf beschränkt, „nichts gegen die Boykottaktionen“ zu haben, wurde das Kieler Kultusministerium selbst aktiv: Am ersten Tag der Schüleraktionen trat in Schleswig-Holstein der „Müsli-Erlaß“ in Kraft. Unter anderem verbietet er den Schulen den Verkauf von Kartonmilch, wenn Molkereien in der Umgebung auch Milch in Pfandflaschen anbieten. Im Saarland und in Bremen sind solche „Müsli-Erlasse“ schon seit zwei Jahren in Kraft.

Zu Beginn des nächsten Jahres, so haben es zumindest fast alle Milchabfüller versprochen, soll an allen Schulen im Norden der Republik die Milch nur noch in Pfandflaschen verkauft werden. Damit ist aber nur ein Teil der Forderungen der Schüler erfüllt, denn Joghurt oder Quark wird auch weiterhin in Einwegverpackungen angeboten. Auch bei diesen Produkten bedarf es offensichtlich noch des sanften Druckes, bevor die Milchindustrie auf umweltfreundliche Mehrwegverpackungen umstellen wird.

Walter Wüllenweber