Von Reinhold Rombach

Stürmisch wie das Wetter verlief im vergangenen Monat auch die Entwicklung an den Weltbörsen. Mit nicht unerwarteten, gleichwohl dramatischen Verlustsprüngen traf es die japanische Börse besonders heftig. Aber auch in Deutschlands Börsensälen schwankte die Stimmung unter den Aktienhändlern zwischen „der Osten wird’s schon richten“ und „diese horrend hohen Zinsen machen uns alles kaputt“. Dementsprechend waren viele Anleger sich nicht sicher, ob sie denn jetzt gleich alles verkaufen oder vielleicht schwache Tage zum Einstieg nutzen sollten. Oder wäre am Ende nicht doch Trading, das schnelle Kaufen und Verkaufen von Einzelpositionen, die bessere Strategie gewesen?

Die Profis in der ZEIT- Börse standen vor dem gleichen Dilemma der richtigen Anlageentscheidung. Bedenkt man, daß die Weltaktienmärkte seit Jahresbeginn im Schnitt 8,91 Prozent verloren haben und auch das deutsche Kursbarometer Dax mittlerweile knapp unter Jahresschlußniveau notiert, dann lösten die drei Wettstreiter diese Aufgabe gar nicht so übel.

Wie mit Trading-Operationen auf einen Schlag viel Geld verdient werden kann, bewies Bernd Gehler nachdrücklich. Der Leiter Vermögensberatung bei der Deutschen Bank Frankfurt kaufte noch Ende Januar gedeckte Optionsscheine (Covered Warrants) auf den Bauwert Bilfinger & Berger zum Kurs von 135 Mark. Nur vier Börsentage später trennte er sich wieder von dem von vornherein als kurzfristige Spekulation bezeichneten Titel. Am 5. Februar kostete der Warrant die hübsche Summe von 195 Mark und brachte dem cleveren Gehler somit einen respektablen Gewinn von 10 773 Mark ein. Fazit der Transaktion: Ein hochriskantes Geschäft ist gut ausgegangen.

Demgegenüber hielt Bernd Gehler seine Veba-Aktien fast vier Wochen, um sie dann in der zweiten Februarwoche mit einem schönen Gewinn von rund zehn Prozent zu verkaufen. Doch was tun mit dem Erlös aus Bilfinger & Berger und Veba? Der Deutschbanker zeigte hier Weitsicht und verhielt sich zunächst einmal defensiv. Für den Gegenwert von 35 104 Mark legte er sich den als krisenfest geltenden niederländischen Ölwert Royal Dutch ins Depot, und der Rest des Geldes wanderte zunächst in die Kasse. „Ich will einfach die nächsten Tage ohne Probleme überstehen und dann in aller Ruhe entscheiden, wie es weitergeht“, begründete er seine Entscheidung.

Nach deutlicher Marktkonsolidierung, sprich fallenden Kursen, sah Gehler dann am 16. Februar bei den Vorzugsaktien des deutschen Textilunternehmens Escada eine gute Einstiegschance, und er erwarb aus der Barschaft für rund 22 000 Mark die Aktien dieses innovativen und wachstumsstarken Spezialtitels. Drei Tage später schichtete er auch noch seine Royal Dutch in Schering-Aktien um, – ohne jeden Verlust.

Tim Schmiel von der Westfalenbank wird sich im Stillen wohl darüber geärgert haben, daß ihm nicht ein ähnlicher Coup gelungen ist, wie ihn Bernd Gehler mit Bilfinger & Berger landen konnte. Denn mit der von ihm betriebenen mutigen Politik, gleich drei deutsche Optionsscheine ins Depot zu nehmen, wäre bei ihm eigentlich die Wahrscheinlichkeit eines hohen Gewinns größer gewesen. Immerhin mußte er Anfang des Monats gleich zwei Optionstitel – RWE und Mannesmann – veräußern, um zusammengerechnet einen Gewinn von „nur“ 8490 Mark zu erzielen. Es bleibt natürlich müßig, darüber zu spekulieren, ob nun Schmiel mehr Pech oder der Deutschbanker mehr Fortune hatte: Fakt ist für Westfalenbank ein aktueller Vermögensstand von 106 070 Mark.