Über fünf Millionen DDR-Bürger planen für 1990 eine längere Urlaubsreise in die Bundesrepublik. Trotzdem bleibt, wie eine jetzt veröffentlichte Studie prophezeit, das eigene Land noch das beliebteste Ferienziel.

Die DDR-Bürger werden 1990 ihre westlichen Nachbarn als Reiseweltmeister ablösen. Das besagt eine Studie über die Reiseabsichten der DDR-Bürger, die vom Institut für Tourismus der Technischen Universität Berlin, der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden, der Berliner Messegesellschaft und der Berliner Morgenpost im Februar durchgeführt wurde.

Demnach planen 88,6 Prozent der Bürger der DDR über vierzehn Jahre in diesem Jahr eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen Dauer. Im vergangenen Jahr waren zwei Drittel der Bundesbürger so lange im Urlaub.

Wenn die DDR-Bürger ihre Reisepläne in die Tat umsetzen, werden sich in diesem Jahr nicht nur zu beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze die Autos kilometerweit stauen. Auch auf den bundesdeutschen Autobahnen ist dann ein Verkehrschaos zu erwarten.

Mehr als vierzig Prozent der dreizehn Millionen DDR-Bürger über vierzehn Jahre wollen 1990 dem kapitalistischen Nachbarn eine Visite von mindestens fünf Tagen abstatten. Knapp acht Millionen DDR-Bürger planen bis zum Jahresende einen oder mehrere Kurzbesuche von zwei bis vier Tagen in der Bundesrepublik.

Obwohl die DDR mit 52,2 Prozent das liebste Reiseland der DDR-Bürger bleibt, verdrängt die Bundesrepublik die Tschechoslowakei klar vom zweiten Platz. Die beliebtesten Ziele für längere Reisen in die Bundesrepublik sind mit großem Abstand Bayern (23 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (21 Prozent). Als Ziel für Tagesausflüge wird sich Berlin auch weiterhin der Besuchermassen erwehren müssen: Über sieben Millionen DDR-Bürger über vierzehn Jahre werden 1990 mindestens einmal Berlin besuchen.

Die Organisation ihrer Reise wollen 87,8 Prozent der westreisewilligen DDR-Bürger selbst in die Hand nehmen, 7,2 Prozent nehmen Reisebüros oder sonstige Organisationen in der DDR in Anspruch. Nur 2,4 Prozent wollen über Reisebüros oder sonstige Organisationen im Ausland buchen. Damit dürften die DDR-Bürger zumindest in diesem Jahr noch nicht zu guten Kunden der westdeutschen Veranstalter gehören.