Jahrelang verseuchten die Basler Chemiemultis die Umwelt am Oberrhein

Von Martin Forter und Horand Knaup

Als sich im Dezember des vergangenen Jahres die Staatschefs der Bundesrepublik, Frankreichs und der Schweiz in der Humanistenstadt Basel trafen, sollte es nicht nur beim Phototermin bleiben. Bedeutungsvoll ernannten die drei Politiker den südlichen Oberrhein, wo die Landesgrenze der drei Nationalstaaten eine topographische Einheit zerschneidet, zur „Modellregion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit“.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Vor allem in den Amtsstuben der Gemeinden geht es wie eh und je streng nationalstaatlich zu: Die Region endet an der jeweiligen Landesgrenze. Nur die drei Chemie-Multis der Region, Ciba-Geigy, Hoffmann-La Roche und Sandoz, denken schon seit langem international – zu Lasten der Umwelt.

Täglich stauen sich rund 25 000 Grenzgänger an den deutschen und französischen Zollübergängen auf dem Weg zur Arbeit in den Labors der drei Schweizer Unternehmen, die längst aus den Grenzen der engen Stadt Basel ins benachbarte Ausland herausgewachsen sind. Doch zwischen der Farbenproduktion im Elsaß und der in der Schweiz liegen Welten: Es gelten die Vorschriften des jeweiligen Staates, und das haben die Chemiefirmen jahrelang ausgenutzt, um Umweltvorschriften des einen Staates im anderen ohne viel Mehraufwand zu umgehen. Heute bekennen sich die Umweltfrevler zwar zu ihren Fehlern, aber für die Beseitigung des angerichteten Schadens zahlen wollen sie nur bei einem konkreten Schuldnachweis. Und der ist meist nicht zu bringen.

In den fünfziger Jahren, als die Wirtschaft kräftig wuchs, produzierten die chemischen Fabriken am Rheinknie auch immer mehr Müll. Bald schon reichten die Fabrikareale nicht mehr aus, um das Giftzeug abzulagern. Der Ausweg: Die Firmen kippten den Müll einfach in den Rhein und in die vielen, mittlerweile ausgedienten Kiesgruben der Region. Von dort sickert die Giftbrühe noch heute ins Grundwasser.

Eine der umfunktionierten Kiesgruben war die Feldrebengrube in Muttenz, östlich von Basel. Obwohl die Gemeinde sich wehrte und Wasserschützer warnten, versenkten Ciba, Sandoz und Geigy dort ihren Chemiemüll. 1957 verfärbte sich das Wasser benachbarter Brunnen. Die Regierung des Kantons Basel-Land zog die Notbremse und verbot im August 1957 das Abkippen von Industrieabfällen auf Kantonsgebiet.