Es hätte für die Thatcher-Regierung nicht schlimmer kommen können: Ausgerechnet jetzt, da sie in ihrer wohl tiefsten Krise steckt, will mit Peter Walker der letzte Repräsentant des liberalkonservativen Parteiflügels das Kabinett verlassen. „Persönliche Gründe“ mag ihm niemand so recht abnehmen; der Spruch „Die Kadetten verlassen das sinkende Schiff“ macht in Westminster die Runde. Schließlich hat Margaret Thatcher in den vergangenen Monaten gleich drei langgediente Minister verloren.

Peter Walker, zuletzt in der Regierung zuständig für Wales und ein enger Vertrauter des Thatcher-Rivalen Michael Heseltine, hat während seiner Kabinettszugehörigkeit nie die Abneigung gegen den „Sozialdarwinismus“ der Thatcher-Revolution verhehlt. Die poll-tax, die neue regressive Gemeindesteuer, gilt Kritikern inner- und außerhalb der Regierungspartei als besonders unverfrorener Akt dieser Umverteilung von unten nach oben.

Falls das Schiff der Tory-Regierung sinken sollte, dann hat ihm nicht zuletzt diese Steuer ein Leck geschlagen. Der lautstarke und zum Teil gewalttätige Protest rast wie ein Lauffeuer auch durch konservative Hochburgen im ländlichen England. In Nottingham stellten Demonstranten gar historische Bezüge her; sie versuchten, die Sitzung des Stadtrats, auf der die genaue Höhe der Steuer festgelegt werden sollte, in Robin-Hood-Kostümen zu sprengen.

Die Londoner Finanzwelt aber beginnt, angesichts der wachsenden Unpopularität der Regierungschefin einen Sieg der Labour-Partei bei den nächsten Wahlen einzukalkulieren. Schon handeln auch die englischen Buchmacher die Opposition als klaren Favoriten. Ihre Wettquoten basieren auf demoskopischen Daten: Umfragen sehen die Konservativen an einem Tiefpunkt von nur 33 Prozent der Stimmen angelangt; Labour führt mit 19 Prozentpunkten Vorsprung. J. K.