Ressentiments gegen Japan gehören mittlerweile schon fast zum guten Ton. Nicht nur den Amerikanern, sondern auch den Europäern sind die asiatischen Musterschüler des Kapitalismus zunehmend unheimlich. Während die alten Industrieländer mehr oder minder erfolglos gegen Arbeitslosigkeit und Inflation kämpfen, scheinen die Japaner gegen solche Unbill gefeit. Hohes Wachstum, Vollbeschäftigung und niedrige Preissteigerungsraten sind im Modell Japan offenbar garantiert.

Doch ganz so unverwundbar, wie immer wieder beschworen, ist die Wirtschaft im Land der aufgehenden Sonne nicht. Möglicherweise sind die Börsenturbulenzen der vergangenen Tage sogar Vorboten größerer Erschütterungen des japanischen Wirtschaftssystems. So weist die japanische Leistungsbilanz für Januar erstmals seit 1984 ein Defizit von 636 Millionen Dollar aus, gegenüber einem Plus von 2,5 Milliarden vor zwölf Monaten. Zurückgegangen ist auch der Handelsbilanzüberschuß. Mit nur noch 1,07 Milliarden Dollar ist er um 77,9 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat gesunken.

Beschleunigt hat sich der Preisauftrieb. Innerhalb eines Monats ist die Inflationsrate von 3 auf 3,6 Prozent gestiegen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Wochen kaum umkehren, sofern es der japanischen Notenbank nicht gelingt, die massive Abwertung des Yen zu stoppen. mhf