Der Howe-Effekt

Der Kanadier Laurence Peter ist der Vater des bekannten „Peter-Prinzips“: Angestellte werden befördert, bis sie jene Hierarchiestufe erreichen, auf der sie ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sind. Der Brite Cyril Northcote Parkinson schuf das nicht minder populäre „Parkinsonsche Gesetz“, demzufolge sich die Arbeit – zum Beispiel von Bürokraten – so weit ausdehnt, bis die Zeit, die zu ihrer Verrichtung zur Verfügung steht, ausgefüllt ist. Hinzu kommt nun der „Howe-Effekt“: Die Länge der Titel einer Person steht in umgekehrtem Verhältnis zur Bedeutung ihrer Funktion. Veranschaulicht wird das Theorem am Beispiel des britischen Politikers Sir Geoffrey Howe, von Frau Thatcher als Außenminister abgehalftert und auf den symbolischen Posten des Vizepremierministers degradiert. Howe hat nicht nur seinem Namen manchen Titel vorangestellt, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter in seiner winzigen Abteilung verdoppelt und sein Budget verfünffacht.

Western im Süden

Das Pistolenduell um zwölf Uhr mittags: Der vermeintlich zivilisierte Mensch kennt es nur noch von laufenden Bildern aus dem Wilden Westen. So dachten wir. Aber die uruguayischen Machos belehren uns eines andern. Die Regierung in Montevideo erlaubte kürzlich zwei Kampfhähnen, ihre Ehrenhändel mit der Waffe auszutragen. Ausgerechnet ein Polizei-Inspektor verlangte diese Genugtuung von einem Journalisten, der ihn mit einer Schmuggelaffäre in Verbindung gebracht hatte. Der Ordnungshüter und Beschützer seiner persönlichen Ehre konnte sich auf ein hochrangiges Vorbild berufen: Einer, der auch schon einmal die Pistole anlegte, war der nun gerade abgelöste Präsident Sanguinetti. Ein vorher getroffenes Gentleman’s Agreement sicherte ihm damals freilich – wie fast allen anderen Duellanten – das Überleben.

Tod am Rande

Im Drogenkrieg gilt Virgilio Barco so manchem westlichen Politiker inzwischen als Verbündeter. Der Kampf gegen das Kokainkartell von Medellin verzehrt jedoch die Kräfte des kolumbianischen Präsidenten – wie sonst ist es zu erklären, daß Barco sich wenig um den alltäglichen politischen Tod in seinem Lande zu kümmern scheint? Von „mutmaßlich staatlichem Mord“ spricht amnesty international mit Blick auf das Schicksal der dreißig Jahre jungen Bürgermeisterin der Provinzstadt Apartadó, Diana Cardona Saldarriaga. Die linke Politikerin wurde aus dem Haus ihrer Eltern, ausgerechnet in Medellin, entführt und später – von acht Kugeln getroffen – am Rande der Stadt tot aufgefunden. Aus vorangegangenen Drohungen rechtsgerichteter Todesschwadronen und den genauen Umständen des Attentats zieht die Menschenrechtsorganisation ihre Konsequenz: Sie appelliert, den Präsidenten in Bogotá mit Protestbriefen an seine Verantwortung für den Schutz seiner Bürger zu erinnern.