Rettungsaktion für die Algarve: Mehr praktizierter Umweltschutz und restriktivere Baubestimmungen sollen Portugals Sonnenküste vor dem „Umkippen“ bewahren. Einen Teil des Urlauberstroms wollen die Tourismusmanager in den noch unerschlossenen Norden umlenken.

Die Portugiesen sind aufgeschreckt. Obwohl sie im vergangenen Jahr keinen Einbruch bei den Gästezahlen erlebten, sondern noch auf ein kleines Plus von 1,8 Prozent kamen, verfehlten die Alarmsignale aus anderen Reiseländern ihre Wirkung nicht.

Portugals Tourismusstrategen haben erkannt, daß auch sie nahe daran waren, mit allzu hitziger Bauwut in Strandnähe den Bogen zu überspannen. Besonders die Algarve sei eine „empfindliche Gegend“, wo etwa in Praia da Rocha, Armaçao de Pera oder Quarteira „viel gesündigt“ wurde, gibt der Direktor des Portugiesischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt, José Luiz de Moura, zu.

Damit soll nun Schluß sein. Seit dem vergangenen Jahr dürfen an der Algarve nur noch bereits genehmigte oder begonnene Bauvorhaben vollendet werden, neue Projekte wurden vorerst auf Eis gelegt.

Das Gesamtkonzept nimmt verstärkt Rücksicht auf Belange des Umweltschutzes, der Landschaftspflege und der Landwirtschaft; künftige Hotelprojekte sollen so plaziert und gestaltet werden, daß sie das Landschaftsbild der Algarve-Küste so wenig wie möglich beeinträchtigen. Zudem werden mehrere Naturschutzgebiete ausgewiesen und somit von jeglicher Bebauung freigehalten.

An der Vormachtstellung der Algarve im Portugal-Tourismus wird sich durch dieses sanfte „Anziehen der Handbremse“ wenig ändern. Auf dem Küstenstreifen zwischen dem Cabo de São Vicente und der Guadiana-Mündung übernachteten im vergangenen Jahr knapp die Hälfte aller Gäste Portugals.

Für andere Landesteile blieben vom großen Tourismuskuchen nur bescheidene Krumen übrig – zum Beispiel ganze 4,7 Prozent für den Norden, die Costa Verde und ihr landschaftlich reizvolles Hinterland. Diese höchst ungleichgewichtige Verteilung soll sich jetzt ändern, vor allem zugunsten der Costa Verde. Dabei sollen insbesondere die Rundreisen durch das Hinterland, etwa das berühmte Portweingebiet des Douro-Tals, besser verkauft werden.