Von Frank Dehne

OTTAWA. – Schon seit langem beklagen sich deutsche Hochschullehrer über unzureichende Forschungsfinanzierung, zu hohe Lehrbelastung und zu viele Verwaltungsaufgaben. Damit werde die Forschung an deutschen Universitäten behindert, ihre internationale Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigt.

Da keine nennenswerten zusätzlichen staatlichen Gelder zur Forschungsförderung und zur Errichtung neuer Lehrstühle zur Verfügung stehen, sehen manche in amerikanischen Modellen die beste Lösung. Denn amerikanische Universitäten bieten ihren Forschern eine weitaus bessere finanzielle Ausstattung und geringere Lehrbelastung. Deswegen wird zum Beispiel vorgeschlagen, auch an deutschen Hochschulen Studiengebühren zu erheben, um deren finanzielle Basis zu erweitern. Andere fordern stärkere ZuUssungsbeschränkungen für das Studium an den Hochschulen, um die Lehrbelastung der Professoren zu verringern und damit deren Forschungstätigkeit zu fördern.

Wer solche Vorschläge macht, muß sich jedoch auch mit den negativen Folgen in Amerika auseinandersetzen. Um einen nennenswerten Beitrag zum Hochschulbudget zu leisten, erreichen die Hochschulgebühren in den Vereinigten Staaten schnell für viele unerreichbare Größenordnungen; 20 000 Dollar jährlich (Studiengebühren ohne Unterkunft) sind keine Seltenheit. Hier liegt einer der Hauptgründe der Krise des amerikanischen Erziehungswesens. Denn astronomische Studiengebühren wirken sich auch negativ auf das Schulwesen aus: Was nützt es den Schülern, sich für gute Zensuren anzustrengen, wenn ihnen der Hochschulzugang aufgrund der mangelnden finanziellen Leistungsfähigkeit ihrer Eltern ohnehin verschlossen bleibt.

Hochschulausbildung für viele ist eine Notwendigkeit von nationaler Bedeutung: Bildung darf nicht zum Privileg einiger weniger werden. Das gilt insbesondere im aufkommenden Zeitalter der Hochtechnologie. Die derzeitige Struktur der deutschen Hochschulausbildung hat (nicht zuletzt aufgrund der Errungenschaften der sozial-liberalen Ära) die Bundesrepublik vor vielen Problemen bewahrt, die in Amerika nun offen zutage treten. Das hohe Ausbildungsniveau einer breiten Bevölkerung ist in der Tat ein großer Vorsprung für die deutsche Wirtschaft, der in den kommenden Jahren noch an Bedeutung zunehmen wird. Diesen Ausbildungsvorsprung für die deutsche Forschungsförderung zu opfern erscheint deshalb äußerst kurzsichtig.

Wie aber soll dann der deutschen Hochschulforschung geholfen werden, ohne daß die Lehre eingeschränkt wird? Die Antwort: durch eine Behebung der Management-Probleme an den Universitäten.

Deutsche Hochschulen sind Teil der jeweiligen Landesbürokratie. Ihre Verwaltung ist bürokratisch, es gelten die Regeln des öffentlichen Dienstes. Aber diese Struktur ist längst nicht mehr zeitgemäß, weder für den Forschungsbetrieb noch auch für die Lehre.