Plädoyer für mehr Partnerschaft

Von Edzard Reuter

Die Nachkriegsära globaler militärischer Sicherheitspolitik geht zu Ende. Auf der Suche nach einer neuen Ordnung taucht hier und da der Vorschlag auf, sie durch wirtschaftliche Partnerschaft zu ersetzen.

Der Sachverhalt, der einer solchen Überlegung zugrunde liegt, kann freilich mit unserem herkömmlichen Verständnis nicht einmal annähernd erfaßt werden.

Jene Macht der Gewohnheit, die neues Nachdenken blockiert, würde nichts anderes als eine Fortsetzung des KSZE-Prozesses empfehlen, also irgendeine Vertiefung der wissenschaftlich-technischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Ost und West. Die dazu in der Zeit der Entspannungspolitik entwickelte These besagt, daß man die beiderseitige Verteidigungsfähigkeit durch ein Netz gegenseitiger Interessen ergänzen müsse, das keiner der Beteiligten ohne Schaden für sich selbst zerreißen kann.

Wer noch so denkt, muß der Idee einer die militärische Stabilitätspolitik ersetzenden wirtschaftlichen Partnerschaft sofort entgegenhalten, ein derartiger Weg sei nach der Aufweichung der Blöcke untauglich, um eine unverrückbare Balance der Mächte herbeizuführen. Im Zweifel werde nämlich kein Staat auf strategische Dominanz verzichten, und es gebe genügend schreckliche Beispiele, wo man hingerate, wenn man Bilanzen und Wohlstandsindikatoren höher bewerte als militärische Gewaltfähigkeit.

Richtig organisierte Strukturen