Israels Regierungschef Yitzchak Schamir ist ein Meister der Hinhaltetaktik. Vor fast einem Jahr stellte er seinen Friedensplan vor. Doch der Frieden im Nahen Osten ist seither keinen Schritt vorangekommen. Sein Verhandlungsspielraum zwischen den Falken in der Likud-Partei und dem international nachgiebigeren Regierungspartner, der Arbeiterpartei, wurde freilich zuletzt zu eng. Zum Wochenbeginn platzte die Regierungskoalition – zumindest vorläufig.

Gleich nach dem jüdischen Karneval vom Sonntag mußte Schamir seine Maske ablegen und eingestehen, daß er nicht bereit ist, auf den vom Koalitionspartner befürworteten Friedensplan des amerikanischen Außenministers Baker einzuschwenken. Seit Wochen bot Schamirs „Regierung der nationalen Einheit“ in dieser Frage ein Bild von Zwietracht und Lähmung. Beide sind mit dem Koalitionsbruch nicht überwunden. Es dürften Monate des Lavierens folgen, in denen Schamir und Arbeiterparteichef Peres jeweils versuchen werden, eine kleine Koalition zustande zu bringen.

Peres verfügt dabei über die besseren Karten: Ein Zusammengehen mit den ganz linken und den religiösen Parteien plant er schon seit langem. Die Religiösen scheinen bereit, im Gegenzug für innenpolitische Zugeständnisse Peres außenpolitisch Spielraum zu gewähren. „Meinetwegen essen wir eine Zeitlang nur noch koscher, wenn das dem Frieden dient“, ist Peres’ Losung.

Doch selbst falls Peres eine kleine Koalition zustande bringt – das Bündnis wäre instabil. Und entsprechend gering wäre ihr Gewicht am Verhandlungstisch mit den Palästinensern. Es bräuchte außenpolitischen Mut, aus einer solchen Position der Schwäche territoriale Zugeständnisse zu wagen; zumal keineswegs feststeht, ob die israelischen Wähler Peres’ Einlenckurs überhaupt billigen. F. G.