Es ist wie verhext: Ich kann über Kohl kein böses Wort verlieren. Zwar ist mir klar, daß die Leser dieser Kolumne ein Recht auf mindestens vier bissige Kohl-Satiren pro Jahr haben – wer aber nicht bitter enttäuscht werden will, sollte diese Lektüre hier abbrechen.

Dabei müßte es doch gerade jetzt ein Kinderspiel sein, Kohl den satirischen Gnadenstoß zu versetzen; nach seinen weltberüchtigten Patzern ist er ja so offen wie ein Scheunentor. Die Sache hat nur einen Haken: Ich schaffe es nicht, da reinzufahren. Dabei gebe ich mir die allergrößte Mühe, den unersättlichen Leserbedarf an bissigen Kohl-Satiren zu befriedigen. Und an immer neuen Anlässen mangelt es ja nun weiß Gott nicht. Da genügt schon ein Blick in die Morgenzeitung, um ihr zu entnehmen, daß es unserem unentwegten „Tolpatsch vom Dienst“ gelungen ist, die ganze Welt – nach dem kerndeutschen Motto: viel Feind’, viel Ehr’ – gegen uns aufzuwiegeln. Eine Leistung, die seit Wilhelm II. und Hitler keinem mehr geglückt ist. Schon juckt es mich in den Fingern, schon eile ich tippbereit an die Maschine – und wieder: nichts! Zu Kohl fällt mir einfach nichts ein. Irgendwie ist er nicht zu packen. An ihm prallt jede Satire ab. Ist er etwa die Inkarnation der Satire?

Die Intellektuellen, die ihm permanent am Zeug flicken, vermissen bei ihm intellektuelle Brillanz. Damit ist der arme Mann natürlich total überfordert. Intellektuell ist er nun wirklich nicht, unser Kohl! Der Kohl ist und bleibt der Kohl aus Oggersheim. Das ist ja auch schon was. Wenn er sich jetzt von der Bismarck- und Adenauereuphorie tragen läßt, so sei es ihm von Herzen gegönnt. Er selber weiß doch, erzbescheiden wie er nun mal ist, daß er denen nicht mal das Wasser reichen kann.

Was will er denn schon groß? Er will doch nur als „Helmut der Große, der Wiedervereiniger“ in die deutsche Geschichte eingehen. Ist denn das zuviel verlangt?

Wer ein so hohes Ziel verfolgt, dem unterlaufen natürlich auch Schnitzer. Allerdings wird ihm mancher in die Schuhe geschoben, den ihm seine mittelmäßigen Gehilfen, die Rühes und Teltschiks, eingebrockt haben, für die er dann seinen ohnehin schon überforderten Kopf hinhalten muß.

Im übrigen hat er neulich im Bundestag eigene Fehler freimütig eingestanden. Welche unter den vielen gemeint waren, hat er zwar nicht verraten. Doch welche Größe!

Nun wird wohl mancher nach eigenen Fehlern fahnden. Könnte es nicht zum Beispiel ein unverzeihlicher Fehler gewesen sein, Kohl an die Macht gewählt zu haben? Und mein Fehler, daß mir wieder keine knallharte Kohl-Satire gelungen ist?