Von Zbigniew Brzezinski

Das sowjetische Imperium hat 45 Jahre lang bestanden. Heute liegt es in Trümmern, irreparabel und außerstande, sich zu erholen. Die Sowjetunion krankt an einer schweren imperialistischen Erschöpfung und ringt ums Überleben. Die innenpolitische Krise – zugleich eine ethnische, ökonomische und politische – wird von beträchtlicher Dauer sein.

Inzwischen entsteht im Herzen Europas eine neue geopolitische Realität. Osteuropa ist heute wieder Mitteleuropa, was es im historischen, kulturellen und philosophischen Sinne von jeher war. Während diese post-kommunistische Region ein Leben westeuropäischen Stils und eine Staatsordnung westlichen Zuschnitts anstrebt, ist sie von Instabilität und Chaos bedroht. Wirtschaftlich sind die osteuropäischen Staaten ein Scherbenhaufen. Ihre politischen Systeme müssen von Grund auf neu errichtet werden. Die Gefahr nationaler und territorialer Konflikte überschattet die inneren Schwierigkeiten, die jede osteuropäische Regierung auf dem eingeschlagenen Weg zu einer stabilen Demokratie bewältigen muß.

Eine Politik, die einfallsreich auf alle diese miteinander verflochtenen Probleme reagieren will, muß geographisch umfassend, politisch anspruchsvoll und von historischem Weitblick geprägt sein. Sie muß die Hilfe der westlichen Nationen aktivieren können und zugleich die politischen Vorstellungen der osteuropäischen Völker, vor allem die der vielen Sowjetrepubliken, beflügeln. Sie muß auf dem Erfolg der westlichen Politik aufbauen, die westeuropäische Integration stärken, statt sie zu schwächen und darf dabei in Osteuropa nicht die Chancen verpassen, die der in Bewegung geratene Integrationsprozeß bietet.

Diese Politik sollte sich auf das weitreichende Konzept eines transeuropäischen Commonwealth stützen, in dem zwar die Europäische Gemeinschaft das Herzstück bildet, Osteuropa aber einbezogen wird, ein Commonwealth, offen für eine mögliche Anbindung des Gebietes, das heute noch die Sowjetunion ist. Bei dieser strategischen Betrachtung der Zukunft sollten die folgenden sieben spezifischen, gleichwohl miteinander verknüpften und historisch bedeutsamen, politischen Komponenten beachtet werden:

1. Beschleunigung der (west-)europäischen Integration;

2. Festigung der transatlantischen Bindungen;