Von Catharina Aanderud

Mit allerlei schönen Versprechungen werben die Hersteller sogenannter Subliminalkassetten für ihre Programme. Sie verheißen „Freude und Lust am Leben“, behaupten „Erfolg kennt keine Grenzen“, propagieren „Einfach zuhören und die Angst besiegen“. Subliminals – das sind unterschwellige, bewußt nicht wahrnehmbare Reize; einem Klangteppich aus – meist elektronischer – Musik oder aus Naturgeräuschen sind unhörbare „positive“ Botschaften unterlegt. Die neue Psychotechnik hat es darauf abgesehen, „negative“ Denkmuster zu verändern – mühelos und ohne das Bewußtsein zu beteiligen.

Der Berliner Psychotherapeut Lutz Mehlhorn, Autor eines im Freiburger Bauer-Verlag erschienenen Subliminalprogramms mit dem Titel „Energiequell Unterbewußtsein“, erläutert, was gemeint ist: „Schmerzliche emotionale Erlebnisse, wie zum Beispiel die Erfahrung, verlassen oder nicht beachtet zu werden, können sich, wenn sie sehr intensiv sind, zu festen Überzeugungen verankern, etwa zu dem Glaubenssatz ‚Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden‘. So ein negatives Programm in unserem Unterbewußtsein wird durch die Subliminals direkt angesprochen und verändert. Dabei wird unser Wachbewußtsein, das als Zensor die Aufnahme dieser Botschaften verhindern würde, umgangen.“

Der Stein der Weisen auf Kassette? Eine bequeme (und vergleichsweise billige) Methode der Selbsttherapie, die Psychiater und Psychotherapeuten in Kürze überflüssig macht? Lutz Mehlhorn läßt beim Blättern in „Hörerbriefen“ durchblicken, daß so ein Selbsttherapieschuß durchaus auch mal nach hinten losgehen kann. Er habe auch schon Leuten geraten, die Kassette abzusetzen, „wenn bei ihnen Gefühle aktiviert wurden, mit denen sie nicht umgehen konnten“. Mit den (bislang noch völlig ungeklärten und von vielen Psychologen auch glatt in Abrede gestellten) Auswirkungen subliminaler Suggestionen auf seine Psyche wird der Hörer jedenfalls allein gelassen.

In der Bundesrepublik sind Subliminals seit etwa vier Jahren auf dem Markt, vertrieben sowohl im Buch- als auch im Versandhandel. Der Düsseldorfer Verleger des Subliminalprogramms „Audioaktiv“, Rainer Lange, schätzt, daß solche Kassetten zu selbsttherapeutischen Zwecken von mindestens fünfzehn Herstellern und in über 200 Einzelprogrammen herausgebracht werden. Gemeinsam ist den meisten von ihnen, daß sie das Unterbewußtsein des Menschen als eine riesige Datenverarbeitungsanlage betrachten, die von Geburt an sämtliche Eindrücke speichert und beliebig „umprogrammiert“ werden kann. Die Frage, ob dieses dem technischen Zeitalter entlehnte Bild überhaupt der Funktionsweise unserer Psyche entspricht, wird nicht gestellt. Rainer Lange bringt das unproblematische Verhältnis eines Verlegers zu seinem Produkt auf die Formel: „Was soll ich durch Leiden gehen – ich programmier’ mich einfach um.“

In den USA werden Subliminals bereits seit Mitte der siebziger Jahre für therapeutische Zwecke benutzt. In Kliniken eingesetzt, sind sie angeblich in der Lage, die Erholungsphasen von Patienten nach Operationen erheblich zu verkürzen, den Zigarettenkonsum des Pflegepersonals um fünfzig bis siebzig Prozent zu senken. Auch Supermärkte in Amerika arbeiten mittlerweile mit subliminaler Berieselung: Anti-Diebstahl-Botschaften, versteckt in seichter Kaufhausmusik, sollen Ladendieben auf sanfte Art das Handwerk legen.

Wissenschaftliche Experimente zur unterschwelligen Beeinflussung wurden in den USA bereits Mitte der fünfziger Jahre durchgeführt. Aufsehen erregte damals eine Studie des Marktforschers James Vicary, der in einem Kino in Fort Lee während der Filmvorführung wiederholt die subliminalen (hier: nicht sichtbare) Botschaften „Trink Coca-Cola“ und „Iß Popcorn“ einblendete. Marktforscher behaupteten damals, der Absatz beider Produkte sei daraufhin signifikant gestiegen.