Mann ist Manr, und darauf kommt’s an: Wenn ein Mann ermordet wird, dann muß ein anderer Mann dafür ins Gefängnis. Wenn dieser Mann unschuldig ist, dann findet sich ein anderer Mann, der sene Unschuld beweisen will. Und wenn dieser Mann ein Mann ist, dann wird er nicht aufgeben, bis er sein Ziel erreicht hat. Mann ist Mann, eine einfache Gleichung. Wenn im Kino aber alle Gleichungen aufgehen, dann bleibt kein Überschuß: „Everybody Wins“ – im Filmtitel steckt schon ein Rechenfehler.

Hinter jedem Wort steckt eine Lüge, hinter jedem Gefühl verbirgt sich ein Selbstbetrug: Das ist die Logik von Arthur Miller, der nach langer Zeit wieder ein Filmdrehbuch geschrieben hat. Dieses Drehbuch handelt von jenen Dingen, von denen Miller am meisten versteht: hübschen Fassaden, hinter denen Trümmerfelder liegen; hübschen Gesichtern, hinter denen monströse Gedanken wühlen; klaren, hübschen Sätzen, die doch das Irrationale nicht bannen könren.

„Everybody Wins“ erzählt von Liebe und Verbrechen und davon, wie beides zusammenhängt. Der Privatdetektiv Tom O’Toole (Nick Nolte) wird von der schönen Angela Crispin engagiert, die Unschuld eines Mannes zu beweisen, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Tom recherchiert und verliebt sich in die Frau und entdeckt dabei, daß die halbe Stadt in den Fall verwickelt ist, einschließlich seiner Auftraggeberin. Bevor jeder gewinnt, müssen alle ihr Gesicht verlieren.

Der Regisseur Karel Reis? aber sucht nicht die Wahrheit hinter den Masken – seine Inszenierung vertieft sich ganz in die Geheimnisse der Evidenz. Das Motto heißt: Ich sehe was, was du nicht denkst. Und wer die Augen aufhält, der entdeckt bald, daß der Regisseur seinem Drehbuchautor meist um zwei Augenblicke voraus ist. Aus dieser Spannung speist sich der suspense des Films, und daraus entsteht auch jener Überschuß, der den Titel erst rechtfertigt; Jeder gewinnt – ob er nach der verborgenen, literarischen Wahrheit des Autors sucht oder nach der offensichtlichen, kinematographischen Wahrheit des Regisseurs. Claudius Seidl

„Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ von Woody Allen. „Der Rosen-Krieg“ von Danny DeVito. „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ von Peter Greenaway. „Schwarzer Regen“ von Shohei Imamura. „Mystery Train“ von Jim Jarmusch. „Kleine Vera“ von Wassili Pitschul. „Das Leben und nichts anderes“ von Bertrand Tavernier. „Der Club der toten Dichter“ von Peter Weir.