Im gnadenlosen Technikwettlauf der Computerindustrie bleiben viele Unternehmen auf der Strecke

Von Gunhild Lütge

Auf diese Ankündigung hatte die gesamte Computerwelt schon gewartet. Sie kam Mitte Februar. Der größte Computerkonzern der Welt, IBM, präsentierte im üblichen Rahmen – weltweit wurden Kunden und Experten geladen – seine neuen Wundermaschinen. Den großen Auftritt verstand die Konkurrenz so, wie er tatsächlich auch gemeint war: als Kampfansage. Die IBM-Maschinen sollen fünfmal so schnell sein wie vergleichbare Produkte der Wettbewerber – und preisgünstig dazu.

Die Rivalen reagierten sofort. Sie wollen den größten Konzern der Branche jetzt möglichst schnell wieder mit noch leistungsfähigeren Computern übertreffen. "Es wird zu einer kompletten Umwälzung in den nächsten paar Monaten kommen", meldete sich jedenfalls der Marketing-Direktor der US-Firma Sun gleich zu Worte. Taten kündigte schon eine Woche später das amerikanische Unternehmen Motorola an. Mit einer Dreißig-Millionen-Dollar-Kampagne will der Chiphersteller sein Image als Computerbauer auffrischen. Ein neuer Rechner gehört auch dazu. Er soll der jüngsten Kreation aus dem Hause IBM Paroli bieten – und um 35 Prozent preiswerter sein.

In keiner anderen Branche geht es derzeit so turbulent zu wie im Computergeschäft. Nicht umsonst wird der jüngste Machtkampf auf einem Terrain ausgetragen, das noch das kleinste auf dem Gesamtmarkt ist, aber als das zukunftsträchtigste gilt. Es geht um die sogenannten Workstations, die den Kunden als die "heißen Kisten" (Fortune) der neunziger Jahre angepriesen werden. Gemessen am gesamten Marktvolumen – weltweit werden etwa 500 Milliarden Mark im Jahr für Computer ausgegeben –, ist der Umsatz in diesem Teilmarkt eher bescheiden. Er betrug 1989 nicht einmal zehn Milliarden Mark.

Der Eifer, sich gegenseitig mit immer leistungsfähigeren Produkten zu übertreffen, noch bevor ein Durchbruch bei den Kunden erzielt ist, erklärt sich aus den hohen Erwartungen. Die Wachstumsrate in diesem Bereich erinnert an längst vergangene Boomjahre der Branche: Fünfzig Prozent und mehr konnten die speziellen Hersteller von Workstations verzeichnen. Im traditionellen Geschäft hingegen schrumpfen die Zuwachsraten. Generell erwartet Gerhard Adler, Chef der Marktforschungsgesellschaft Diebold Deutschland, bis Mitte der neunziger Jahre nur noch ein jährliches Gesamtwachstum von fünf bis acht Prozent. Überkapazitäten, Gewinneinbrüche, Pleiten und Fusionen werden die Folgen sein.

Drastische Gewinneinbrüche