Von Markus Wollnik

Neustadt am Rübenberge

Wie kann man sich nur so anstellen? Gängelei ist das, reinste Schikane!“ Steinmetz Friedrich Krapf fährt sich mit den Händen übers Gesicht. „Ein paar popelige Millimeter brauchen meine Grabsteine nur mal von den vorgeschriebenen Maßen abzuweichen – und die Friedhofsverwaltung dreht durch.“ Abwechselnd ist Meister Krapf seit Sommer vergangenen Jahres mit „Hausverboten“ und dem „Entzug der Zulassung“ für zwei Friedhöfe gemaßregelt worden.

Fünfzehn Jahre lebt Krapf im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge, wo er auch seinen Grabmalbetrieb hat. Doch nun denkt der 48jährige ernsthaft daran, der 16 000 Einwohner zählenden Leinestadt den Rücken zu kehren: „Hier wird einem ja praktisch verboten zu arbeiten.“

Auf fünfzig Prozent beziffert der Kleinunternehmer den Umsatzrückgang für 1989. Von seinen vier Mitarbeitern mußte er bereits zwei entlassen. Erstmals sah sich der Vater zweier erwachsener Kinder außerstande, die Gewerbesteuer zu zahlen. „Mir steht es bis hier!“ stöhnt Meister Krapf und hält sich die flache Hand unters Kinn. Dann zieht er sich in seinem mit Marmor gekachelten Büro („Alles aus Grabstein-Überresten“) den weißen Arbeitskittel über.

Von hier bis zum Stadtfriedhof Lüningsburg, Krapfs „Hausfriedhof“, sind es nur wenige Schritte. Ein Schild am Eingang mahnt: „Der Friedhof ist ein Ort der Ruhe. Tür bitte leise schließen. Fahrräder schieben.“ Der gepflasterte Weg ist von Weiden gesäumt. Ringsherum das Grau der Grabmale, unterbrochen von Blumenschmuck und dem schattigen Grün der Lebensbäume. „Hier ist er“, sagt Friedrich Krapf.

Nur einer von vielen Steinen des Anstoßes: eine dicht am Boden liegende Namenstafel aus Granit, kaum mehr als knöchelhoch. Nach einer Anfang vorigen Jahres von der Stadt erlassenen Verfügung muß sie sechs Wochen lang mit Markierungssand abgesperrt werden. Im jüngsten Bescheid des Bauverwaltungsamts, Sachgebiet Friedhofswesen, der zum zweiten Mal den Lizenzentzug anordnet, wird als Begründung auch diese Grabplatte angeführt: Sie sei nicht abgesperrt gewesen. „Was soll ein auf der Erde flach liegender Stein denn für Schäden anrichten, so daß es einer Absperrung bedarf?“ fragt Krapfs Anwalt Christian Ackermann in seinem neuerlichen „Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs“. „Gleichwohl war eine Absperrung vorhanden, mithin insoweit die Aussage der Antragsgegnerin unrichtig.“