Kopf – Schulter“ ist ein wiederkehrendes Motiv im Gesamtwerk des 62jährigen Bildhauers Michael Croissant. Der Mensch, die Figur ist das zentrale Arbeitsthema, an das ihn in München sein Lehrer Toni Stadler herangeführt hat. Die erste Retrospektive seines Werkes stellt im Frankfurter Kunstverein einen Künstler vor, der bekannt ist, aber noch nicht erkannt worden ist.

Sein Weg auf dem Grat zwischen Figuration und Abstraktion beginnt in den frühen sechziger Jahren in der Auseinandersetzung mit dem Skelett: „Hirschkopf“, „Pferdekopf“, „Totenkopf“ und gewinnt Kontur durch die Begegnung mit der Antike.

Ein Ausweichen in die Dinge hat es bei Croissant nicht gegeben. Kopf und Torso, Stele und liegende Figur werden umkreist und immer wieder neu formuliert. Ausdruck und Emotion zeigen sich nicht an der Oberfläche. Für sie ist Raum im Innern seiner Arbeiten, die an Rüstungen denken lassen, an Schutz und Versteck.

Die Materialien, die der Bildhauer, der viele Jahre Lehrer an der Frankfurter Städel-Schule war, benutzt, sind Bronze und Blei, Eisenguß und Granit. In dem so überaus produktiven Jahr 1987 ist die „Kopf“-Serie ein Höhepunkt: Aus Eisen wird eine auf dem Boden liegende Form geschweißt, ein „Fisch“, geschwungen und bewegt, ein Hommage an Brancusi, leicht und transparent, zeitlos und beständig.

Michael Croissant ist kein Künstler der Dekade, sondern des 20. Jahrhunderts. Er zeigt auf das Individuum und uberläßt die Antwort auf die Frage „Wer bin ich“ dem Betrachter. (Kunstverein Frankfurt bis zum 25. März. Vom 29. April bis 10. Juni Pfalzgalerie Kaiserslautern; vom 30. September bis 11. November Skulpturenmuseum Marl; vom 29. November bis 6. Januar 1991 Kunstverein Ludwigshafen. Der Katalog kostet 25 Mark.)

Verena Auffermann

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