Von Stefan Berkholz

Was war das damals eigentlich, vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren? Verschenkte Zeit, sinnlos vertan und vergeudet, oder eben ein Weg durch die Kinderträume? Warten am Flughafen. Warten vor ihren Hotels. Immer in Erwartung der begehrten Unterschriften. Was für eine Leidenschaft! "Wir waren vermutlich", schreibt einer der Autoren am Schluß des Buches, "die letzten wirklichen Kinder des Lederballs."

Und die beiden Herausgeber, Ulrich Homann und Ernst Thoman, legen mit ihrem Sammelband nun die Fortsetzung ihrer Kinderträume vor, oder nein, besser wohl: die Überprüfung derselben, kritisch, doch immer auch ein wenig mit der Träne im Knopfloch, Wehmut vielleicht über die verlorene Kindheit:

  • Ulrich Homann/Ernst Thoman (Hg.):

Als die Ente Amok lief. Geschichten aus den ersten zehn Jahren Fußball-Bundesliga 1963-73.

Klartext Verlag, Essen 1989; 175 S., 34,– DM Zunächst Mannschaftsanekdoten und Blitzlichter auf einige Vereinschroniken: Tasmania 1900, die leidgeprüfte Berliner Niederlagentruppe, und Hertha BSC, die gebeutelte Skandalriege; Schalke 04, der legendenumwobene Revierverein, und Eintracht Braunschweig, der nicht eingeplante Meister aus der Provinz; die Himmelsstürmer von Borussia Mönchengladbach und die Fahrstuhlmannschaft von Kickers Offenbach, deren Aufstiege immer vom Abstieg gekontert wurden.

Schicksale und Namen. Spitznamen vor allem, Auszeichnungen für die Popularität der Spieler, heute so gut wie ausgestorben. "Pille" Gecks und "Hoppy" Kurrat; "Schotte" Trimhold, "Ommes" Kentschke und "Acker" Weist, der früh, mit 29 Jahren bereits, ausstieg aus dem Geschäft, weil es ihm zu knochenhart war. "Emma" Emmerich, der Karosseriebauer aus Dortmund-Dorstfeld. "Gib mich die Kirsche!" brüllte er, wollte er wieder mal ein Tor erzielen.