Die Kontrahenten bringen schon ihre Geschütze in Stellung, der Ausgang der Schlacht aber ist noch völlig offen. Die Rede ist vom Gezerre der Fernsehanstalten um das Recht, Fußballspiele der Bundesliga exklusiv zeigen zu dürfen. Bisher teilen sich der Privatsender RTLplus und die ARD die Bundesliga-Erstübertragungsrechte nach einem komplizierten Schlüssel. RTLplus-Chef Helmut Thoma will damit Schluß machen und in der nächsten Saison alle Fußballspiele ausnahmslos als erster zeigen. Dafür ist er bereit, tief in die Tasche zu greifen. Dreißig Millionen ist sein Angebot an die Hamburger Ufa. Die hatte 1988 die Rechte für drei Jahre vom Deutschen Fußballbund gekauft und vermarktet sie weiter. Für die laufende Saison zahlten RTLplus 15 Millionen Mark, ARD und ZDF zusammen 25 Millionen Mark. Daß die ARD nicht kampflos bereit ist, der privaten Konkurrenz das Fußball-Feld zu überlassen, hat ARD-Sportkoordinator Fritz Klein bereits deutlich gemacht. Wenn RTLplus 30 Millionen Mark biete, biete er 31 Millionen Mark. Wo letztendlich die finanzielle Schmerzgrenze liegt, werden die Ende März beginnenden Verhandlungen zeigen. Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: "Ohne Fußball kann man die Sportschau vergessen", weiß man bei der ARD.

Zwei Kinder der Autarkie kommen sich nach Jahren der Trennung wieder näher: Die Veba-Tochter Hüls AG im westfälischen Marl und VEB Chemische Werke Buna im sächsischen Schkopau wollen miteinander kooperieren. Beide Unternehmen wurden Mitte der dreißiger Jahre gegründet, um künstlichen Kautschuk, genannt "Buna", zu produzieren und die Rüstungsmaschinerie der Nazis vom Weltmarkt unabhängig zu machen. Braunkohle in Schkopau und Steinkohle in Marl waren die Rohstoffe für das Kunstgummi.

Bei der Auslegung der beiden Unternehmen, die unter dem Dach der IG Farbenindustrie entstanden, wurde vieles parallel geplant, selbst die Verwaltungsgebäude beider Firmen sind zeichnungsgleich. So hatte der Hüls-Vorstandsvorsitzende Carl Heinrich Krauch bei einem Besuch in Schkopau auch keine Probleme, sich zurechtzufinden. Als die Gastgeber ihm den Weg zeigen wollten, sagte er frei heraus: "Ich weiß, wo hier der Lokus ist."

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, aber was die Bayerische Landesbank jetzt ausgerechnet vom Oberlandesgericht in München zu hören bekam, kommt einer schallenden Ohrfeige gleich. Die staatliche Bank, deren Chef seinerzeit der ehemalige Finanzminister Ludwig Huber (CSU) war und deren Verwaltungsrat der heutige Ministerpräsident Max Streibl (CSU) vorsaß, muß nach Meinung der Richter für "vorsätzlich sittenwidrige Schädigung" von Kapitalanlegern geradestehen. Weil die zur Hälfte dem Land Bayern gehörende Bank Anfang der achtziger Jahre Beteiligungen an den windigen Mega-Petrol-Fonds des Anlageinitiators Ernst Willner großzügig mit Krediten finanzierte, muß sie sich jetzt auf Schadensersatzansprüche der Anleger einstellen, die durch Willners Ölfonds insgesamt 200 Millionen Mark verloren haben. Die Bank muß alle nach Mitte 1980 geleisteten Einlagen "nebst entgangenen Zinsen und Folgeschäden" ersetzen. Unberührt von der Härte der Richterworte, will die Landesbank, die jede Haftung ablehnt, in Revision gehen.

Für Postminister Christian Schwarz-Schilling, den gelernten Sinologen, ist Wirtschaft ganz einfach: ein Markt, tatkräftige Unternehmen – schon funktioniert alles aufs beste. Die Unternehmen unternehmen, die Verbraucher verbrauchen, die Preise und die Gewinne stimmen. So jedenfalls hatte es sich der Christdemokrat wohl ausgemalt, als er kurz nach seinem Amtsantritt 1982 der Post den Rückzug aus der Wohnungsverkabelung zugunsten privater Betriebe verordnete. Aber auch Postminister können sich offenbar irren. Die beiden Kabelfirmen, denen Schwarz-Schillings besonderes Vertrauen galt, sind inzwischen pleite. Bereits Ende Dezember meldete die Gundlach & Sülter Neue Medien AG Konkurs an. Anfang dieser Woche hat die Wiesbadener Projektgesellschaft für Kabelkommunikation (PKI) Vergleichsantrag gestellt. Dabei hatte der Minister ihnen extrem günstige Startmöglichkeiten verschafft. In vielen Städten, in denen sie zumeist gemeinsam aktiv wurden, durften sie dank Schwarz-Schilling ohne lästige Konkurrenz agieren.

Angesichts des Finanz-Desasters bei der PKI müßte Schwarz-Schilling der kritischen Presse außerordentlich dankbar sein. Die hatte 1982 enthüllt, daß der Postminister in spe an der PKI beteiligt war. Erst auf den Druck der Medien hin trennte sich der Christdemokrat von seinen Anteilen – nur wenige Stunder vor seinem Amtseid.

Der Blutsonntag auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat Pekings Politik, mit höheren Exporten und geringeren Einfuhren die eigenen Devisenkassen zu füllen, kaum gestört – jedenfalls im Handel mit der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr konnte die Volksrepublik China ihre Ausfuhren nach Deutschland um ein gutes Drittel auf knapp 5,8 Milliarden Mark steigern. Und die Exporte in die USA sind sogar um 42 Prozent auf 12 Milliarden geklettert. Unter allen Lieferländern in Fernost rangieren die Chinesen nach Japan in der Bundesrepublik jetzt auf Rang zwei. Gefragt sind vor allem Textilien und chemische Produkte.