Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafe für den ehemaligen Beitz-Freund Werner Resch

Von Heinz-Günter Kemmer

Vom Laufen mochte er auch während der Untersuchungshaft nicht lassen. Vierzigtausend Runden hat Werner Resch, sagt er, im Dortmunder Gefängnishof gedreht, durchschnittlich vier Kilometer an jedem der gut 900 Hafttage. Nicht eben viel für einen ehemaligen Zehnkämpfer, der dem Krupp-Verweser Berthold Beitz einst dadurch auffiel, daß er auf Sylt Tag für Tag ausgedehnte Strandläufe absolvierte.

Aber es hat wohl gereicht, den promovierten Ingenieur physisch intakt zu halten. Auch seine Psyche hat kaum gelitten; immerhin erklärte er in seinem Schlußwort vor der 13. Strafkammer des Landgerichts Bochum, mit dem Umbruch in der DDR sei die Stunde für einen Mann wie ihn gekommen. Für wenig sinnvoll halte er es, ihn mit der Herstellung von täglich 2000 Wäscheklammern im Gefängnis zu beschäftigen.

Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Hermann Pamp, die an diesem Freitag das Urteil sprechen will, wird sich aber wohl weniger an den Interessen der DDR als vielmehr an den Taten des Werner Resch orientieren. Und den hält die Staatsanwaltschaft der Untreue für überführt; gemeinsam mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Krupp Stahl AG, Alfons Gödde, und dem Rohstoffeinkäufer Helmut Berndt soll er das Unternehmen um einen zweistelligen Millionenbetrag erleichtert haben. Eine Freiheitsstrafe von drei Jahren beantragte Oberstaatsanwalt Helmut Schoß für Berndt, das Doppelte für Resch.

Bitter enttäuscht

Damit geht die Staatsanwaltschaft bei Resch von einem besonders schweren Fall der Untreue aus, denn das Strafmaß für „einfache“ Untreue beträgt maximal fünf Jahre. Hält sich das Gericht an den Antrag der Staatsanwaltschaft, wird die Zeit der Untersuchungshaft voll angerechnet und nach Verbüßung der halben Strafzeit der Rest zur Bewährung ausgesetzt, dann könnte Resch im Herbst wieder ein freier Mann sein. Möglicherweise rechnet er aber auch damit, schon am Freitag nicht mehr in seine Dortmunder Gefängniszelle zurückkehren zu müssen. Denn wenn Pamp die von der Staatsanwaltschaft beantragten sechs Jahre Haft nur um ein Jahr verkürzt, könnte der bisher nicht vorbestrafte Resch gleich auf freien Fuß gesetzt werden. Immerhin fällt auf, daß Resch von der Möglichkeit, gegen eine Kaution von einer Million Mark aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden, keinen Gebrauch gemacht hat.