Auf den Gedanken, daß demnächst auch in Niedersachsen gewählt wird, muß man sich erst noch einstellen. Für den nötigen Anstoß hat nun Ernst Albrecht gesorgt. Natürlich will er die Wahl am 13. Mai gewinnen, und gleichzeitig beabsichtigt er, seinen Abschied von der Politik einzuleiten. Bei beidem soll und will ihm Rita Süßmuth behilflich sein. Sie ist das Mittel zum Zweck für Albrecht und umgekehrt Albrecht für sie. Denn falls alles wie gewünscht abläuft, könnte sie sein, was er heute noch ist.

Was Albrecht bewogen hat, liegt auf der Hand. Die Niedersachsen-Wahl steht auf des Messers Schneide. Die Landes-CDU findet nur langsam aus der Depression. Die Affäre um die Spielbanken gerät mühsam in Vergessenheit. Die lästige Konkurrenz durch die Republikaner regt zwar nicht mehr so auf; aber es gibt sie. Außerdem neigt der Wähler in Niedersachsen dazu, eher Patts herzustellen, als satte Regierungsmehrheiten zuzulassen. Viele Unwägbarkeiten, viele Unsicherheiten. Was Albrecht nicht mehr zu bewirken vermag, soll Rita Süßmuth auslösen.

Was da zusammenfindet, ist nicht ohne Gegensatz. Albrecht verkörpert ein besonderes Stück deutschnationalen Protestantismus. Seine CDU hält auf Tradition, Provinzialismus und ist überaus selbstbezogen. Dagegen Süßmuth: Frau, Katholikin, prominenter Bestandteil des versprengten liberalen Flügels, letzte Galionsfigur der Nach-Geißler-Ära. Wer wem da mehr zumutet, läßt sich so leicht nicht ausmachen.

Und die Aussichten für den 13. Mai? Vor vier Jahren schienen die Niedersachsen einem Wechsel nicht abgeneigt. Dann passierte Tschernobyl. Diesmal wirken die DDR-Wahlen vom 18. März und vom 6. Mai ein. Warum sollten solche Effekte den Coup Albrechts nicht ins Leere laufen lassen?

G. S.