Der Export der Bundesrepublik erreicht von Monat zu Monat neue Rekordvolumen. Im Januar stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,9 Prozent auf 55,9 Milliarden Mark. Im gleichen Zeitraum wurden Waren im Wert von 43 Milliarden Mark eingeführt. Im Januar 1989 hatten die Importe 38,6 Milliarden Mark betragen, das heißt, auch die Einfuhren haben mit plus 11,6 Prozent kräftig zugenommen.

Dennoch hat sich der Saldo der Handelsbilanz mit 12,8 Milliarden Mark gegenüber Januar 1989 um 8,4 Prozent erhöht. Im Vergleich zum Dezember vergangenen Jahres ist er sogar um 27,7 Prozent geklettert.

In Dollar gerechnet hat die Bundesrepublik im ersten Monat dieses Jahres auch fast doppelt soviel Güter ausgeführt wie die Japaner, denen immer massiver vorgeworfen wird, durch eine aggressive Exportpolitik das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht empfindlich zu stören.

Von solchen Angriffen ist die Bundesrepublik bisher weitgehend verschont geblieben. Sollte sich der Exportboom allerdings in dem Tempo fortsetzen wie bisher, könnten sich irgendwann einmal die Bundesdeutschen statt der Japaner auf der Anklagebank finden.

Immerhin exportierte die vergleichsweise kleine Bundesrepublik im Januar nicht nur mehr Waren als die Supermacht USA, sondern der bundesdeutsche Handelsbilanzsaldo war auch siebenmal höher als der Japans.

Die Toleranzschwelle der europäischen Partner ist angesichts der bevorstehenden Wiedervereinigung ohnehin beinahe erreicht, die Furcht, das neue Deutschland würde mit seiner geballten ökonomischen Potenz die übrigen Länder endgültig wirtschaftlich dominieren, ziemlich weit verbreitet.

Hilfreich könnte sich für die Bundesrepublik in dem Zusammenhang der geplante Wegfall der Grenzen innerhalb der EG Anfang 1993 erweisen: Bleibt es dabei, gibt es keine nationale Handelsbilanz mehr. mhf