Von Lester C. Thurow

Als die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten Anfang der achtziger Jahre ins Defizit rutschte, gab es eine einfache Erklärung dafür: Weil sich nach der Rezession von 1981/82 die Wirtschaft des Landes viel schneller erholte als die der übrigen Welt, nahmen die Importe natürlich stärker zu als die Exporte. Da auch die Zinsen stiegen, legten ausländische Investoren mehr Geld in den Vereinigten Staaten an. Deshalb stieg der Dollarkurs, und das war ein weiteres Handicap für die amerikanischen Exporte auf den Weltmärkten.

Am Ende des Jahrzehnts jedoch haben solche einfachen Erklärungen ihre Gültigkeit verloren. Die US-Wirtschaft wächst nicht mehr schneller als die der übrigen industrialisierten Welt. Der Dollar ist so tief gefallen, daß die amerikanischen Löhne jetzt niedriger sind als die japanischen oder die bundesdeutschen. Ein Teil des Handelsdefizits ist auf die allzu niedrige Sparquote der konsumfreudigen Amerikaner zurückzuführen. Doch selbst wenn die Vereinigten Staaten dieses Problem lösen würden, wären ihre Wettbewerbsprobleme noch lange nicht beseitigt.

Um festzustellen, ob es zusätzlich strukturelle Probleme in amerikanischen Firmen gibt, hat das Massachusetts Institute of Technology die Arbeitsabläufe innerhalb amerikanischer Industrieunternehmen untersucht. Wir suchten erfolgreiche und weniger erfolgreiche Firmen in Japan, Europa und Amerika aus acht Industriezweigen und wollten dabei feststellen, warum die einen erfolgreich waren und die anderen nicht. Dabei haben wir eine Anzahl von Schwachstellen im System eruiert:

Viele amerikanische Unternehmen achten kaum darauf, was in der Welt sonst noch geschieht. Bei einem großen und aufnahmefähigen amerikanischen Inlandsmarkt wird das Geschäft auf den verhältnismäßig kleinen und ärmeren Märkten anderer Länder als zu mühsam angesehen. Diese Unternehmen haben überhaupt nicht gemerkt, wie wohlhabend die übrige Welt geworden ist.

Firmen, die ausländische Märkte beliefern, machen dies häufiger über lokale Produktionsniederlassungen als durch Exporte. Bis zu einem gewissen Grade ist das ein Relikt aus der Zeit, als die amerikanischen Löhne kontinuierlich höher waren als die in der übrigen Welt. Diese historische Erfahrung schwächte den Willen zum Export, denn die Produktion im Ausland war billiger. Jetzt aber wollen die Konzerne ihre ausländischen Töchter nicht aufgeben – selbst wenn es inzwischen billiger ist zu exportieren, als im Ausland zu produzieren.

Viele Firmen in Amerika blicken auch nicht über die Grenzen, um zu lernen. Sie glauben immer noch, daß sie die technischen Schrittmacher auf den Weltmärkten sind. Kein Land kann erwarten, daß die heimische Industrie alles erfindet, aber jedes Land sollte sich darauf verlassen, daß seine Unternehmen die Erfindungen der anderen Länder zur Kenntnis nehmen und sich diese sehr schnell zunutze machen.