New York an einem Wintermorgen. Zu marschähnlichen Klängen hasten Menschen durch die Straßen. Gitarrenmusik kündigt einen Ortswechsel an. Kleinkünstler beleben eine trostlose Straße: Bauchredner, Breakdancer, Zauberer, zwei schwarze Portraitmaler mit ihren Staffeleien. „Sidewalk stories“, ein Stummfilm in Schwarzweiß, erzählt von jenen kleinen Leuten in New York, die vom Moloch Großstadt gebeutelt werden und dennoch immer weitermachen. Der Maler zum Beispiel lebt in einem Haus, dem jeden Tag der Abriß droht. Eines Abends auf dem Weg dorthin sieht er, wie ein Mann erstochen wird. Ein kleines Mädchen bleibt allein in seiner Kinderkarre zurück. Für den Maler und das Mädchen beginnt eine Großstadt-Odyssee, die sich zwar manchmal traurig ausnimmt, doch Charles Lane, Schauspieler, Regisseur und Produzent zugleich, ergeht sich nicht in Sentimentalität. Mal leise-melancholisch, mal slapstickhaft beschreibt er die einzelnen Stationen. Natürlich wollte Lane, der Charlie Chaplin und Buster Keaton verehrt, nicht deren Stummfilme kopieren; Anklänge freilich sind zu erkennen. „Sidewalk stories“ aber spielt eindeutig im grauen, kalten, kaputten New York der beginnenden neunziger Jahre. Am Ende sehen wir den Maler und seine Freundin am Lincoln Center, umgeben von frierenden, abgerissenen Menschen, die – jetzt setzt der Ton ein – fluchen und beten und um einen Quarter, einen Nickel, einen Dime betteln. Achtlos gehen die Passanten an ihnen vorüber. Anne Frederiksen