Eine spannende Phase beginnt in Europa. Kommt es zu einer schnelleren Euro-Währungsunion? Wie versprochen, hat die EG-Kommission Anfang der Woche ihren noch vertraulichen Bericht zur Wirtschafts- und Währungsunion fertiggestellt, der die Regierungskonferenz vorbereitet. Ende März haben die Finanzminister das Wort.

Wenn sie sich schnell eine Meinung bilden, wäre Bonn schon bald wieder mit der peinlichen Forderung konfrontiert, die Konferenz nicht erst nach den Wahlen im Dezember, sondern lange vorher einzuberufen. Die Regierungskonferenz wird für Frankreich und die Beneluxstaaten immer mehr zu der entscheidenden Möglichkeit, das vergrößerte Deutschland nicht zu einer Belastung für die EG werden zu lassen.

Um schneller voranzukommen, agiert Kommissionspräsident Jacques Delors noch pragmatischer. Klarer als vorher sagt er, das Europäische Zentralbanksystem solle sich am Modell der Bundesbank orientieren, der Ecu sich zur gemeinsamen Währung mausern. Einen neuen Akzent setzt die Kommission, indem sie auf die Forderung nach zwingenden Vorgaben für die nationalen Budgetdefizite verzichtet. Nun soll es mit einer Selbstverpflichtung der Mitgliedsstaaten sein Bewenden haben.

Indem er die Budgetvorgaben aus seiner Blaupause tilgt, kommt Delors den Briten entgegen. London rebellierte gegen den beabsichtigten EG-Ukas, da er an den Kern der nationalen Souveränität rührte. Genügt das Zugeständnis, um den britischen Widerstand dahinschmelzen zu lassen? Dann stünde Bonn mit der Verweigerung einer schnelleren EG-Integration isoliert da. th