Norbert Blüms Gesundheitsreform treibt seltsame Blüten. Im vergangenen Jahr hat der Minister die Festbeträge für Brillen drastisch gesenkt. Seitdem liefern sich die bundesdeutschen Optiker erbitterte Kämpfe um die sehschwachen Kunden. Dabei greifen sie zu Methoden, die jetzt ein Fall für die Kriminalpolizei sind.

Im Mittelpunkt steht der Branchenprimus Fielmann, der schon seit Jahren die betulichen Optiker mit modernen Marketingmethoden auf Trab bringt. Jahrzehntelang hatten die Brillenverkäufer in einer fast konkurrenzfreien Zone agiert. Entsprechend schwerfällig reagierten sie auf den agilen Wettbewerber. Richtig ernst wurde es aber erst nach Blüms Reform, als der Umsatz der Branche im Schnitt um dreißig Prozent schrumpfte und immer mehr kleine Läden von den großen Filialisten geschluckt wurden. Im harten Marktkampf verloren die verwöhnten Optiker vollends den Blick für fairen Wettbewerb. Sie waren sich weder zu schade für Schlammschlachten vor den Gerichten noch für lancierte Falschmeldungen. Bis hin zu unlauteren Werbefeldzügen war den Konkurrenten fast jedes Mittel recht.

Krimineller Höhepunkt des Brillenstreits ist nun der Diebstahl bereits geklauter Akten. Ehemalige Mitarbeiter von Fielmann reichten interne Unterlagen an die Konkurrenz weiter. Die startete damit eine Anti-Fielmann-Kampagne. Doch der Plan wurde jäh gestoppt, denn: Erneut griffen Diebe zu und stahlen die brisanten Papiere. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Aktenklau. Derweil aber geht der Optikerkampf weiter. Die Kontrahenten werfen sich gegenseitig Mafiamethoden vor und rüsten zur nächsten Attacke. Der rosaroten Brille beraubt, fehlt den Optikern der Weitblick. rz