Einmal im Jahr, Anfang März, ist Berlin der Nabel der Welt. Diesmal präsentierten sich auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB), der Weltausstellung der Tourismusindustrie, 160 Länder – mehr, als die Uno Mitglieder hat.

Selbst die ärmsten Nationen opferten Millionen Mark für ihre Stände, um bei dem sinnenfrohen Spektakel ihren Anteil am Milliardengeschäft des Welttourismus zu ergattern. Plakate und Prospekte in den schillerndsten Farben, Folkloregruppen und Multi-Media-Shows lockten die zu Zehntausenden angereisten Einkäufer und Reisebürovertreter – als hätte man nie von Umweltzerstörung durch Ferienghettos, sozialen, kulturellen und ökonomischen Problemen des Tourismus gehört.

Auch die Tourismuskritiker der Arbeitsgemeinschaft "Tourismus mit Einsicht" bauten bereits zum vierten Mal ihren Stand auf – eingezwängt zwischen die "Gesellschaft für die Nebenbetriebe der Autobahn" und die Signal-Versicherung.

Und wie seit vier Jahren blieben beide Lager weitgehend unter sich. Cocktails, Karibik und Geschäfte auf der einen Seite, Veranstaltungen über sozial- und umweltverträglichen Tourismus auf der anderen.

Auf den Weg durch das "Touristen-Denk(t)mal", ein mit Einsichten zum "richtigen Tourismus" gepflastertes Labyrinth, machten sich hauptsächlich diejenigen, die sich ihre ohnehin gefestigte Einstellung gegen den Massentourismus bestätigen wollten.

In den alternativen Veranstaltungen drängten sich Studenten aus den Fachhochschulen für Tourismus, Vertreter von Umweltgruppen und kirchlichen Dritte-Welt-Organisationen.

Dort fehlten ebenso wie beispielsweise bei dem Vortrag über "ganzheitliches Tourismusmanagement", in dem "Ökobilanzen für Tourismusprojekte" angeregt wurden, wieder einmal Vertreter gerade der Reiseunternehmen, die sich Umweltgütesiegel ans Firmen-Revers heften wollen.