Von Kuno Kruse und Birgit Schwarz

Wie ein vergessenes Überbleibsel aus alter Zeit liegt das Dorf da Feuchtigkeit ist in die Fachwerkhäuser eingezogen, lose baumeln die Regenrinnen von kaputten Dachern Viele Fenster sind mit Sperrholz vernagelt

So sieht Rhoden aus, das zwar nicht weit von Braunschweig liegt, aber noch „drüben“, im ehemaligen Sperrgebiet der DDR

Gunter Steinkampf ist in Rhoden geboren und aufgewachsen Was hier verfallt, hat seine Familie zum Teil einmal ihr Eigen nennen können – bevor sie nach Westen „rubermachte“ Heute werden die Felder von der ortsansässigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) bestellt, die Gehöfte sind vermietet oder Neusiedlern zur Nutzung überlassen Die Bäume im Garten sind von wildem Hopfen überwuchert

„Das passiert, wenn der Eigentumer nicht zuständig ist“, erläutert Steinkampf

Auf den Hof seines Geburtshauses geht er nicht Er will nicht so anmaßend auftreten wie viele andere Westdeutsche, die derzeit im Osten einfallen, um das ehemalige Hab und Gut zu inspizieren Nach Jahrzehnten erzwungener Tatenlosigkeit spurt Steinkampf nun keine Eile „Wenn hier rechtsstaatliche Verhaltnisse einkehren, muß der Schutz des Eigentums wieder hergestellt werden Die paar Monate kann ich auch noch warten “

Was im Westen schon abgeschrieben war, scheint unvermutet zum Greifen nahe verlassenes, enteignetes, unter staatliche Treuhandverwaltung gestelltes Eigentum im „Arbeiter- und Bauernstaat“ Mehr und mehr Bundesbürger berufen sich auf den in Artikel 14 des Grundgesetzes garantierten „Schutz des Eigentums“, um zuruckzuerlangen, was ihnen einst genommen wurde