Von Christine Brinck

MÜNCHEN. – Eine internationale Bestenliste der Universitäten – 1. Harvard, 2. Cambridge/Oxford, 3. Stanford, 4. Berkeley, 5. MIT, 6. Yale... – hat vor einiger Zeit das Asian Wall Street Journal präsentiert, aufgestellt hatte sie eine Gruppe von asiatischen Akademikern. Die Rangordnung der einzelnen Universitäten ist weniger interessant als die ganze Gruppe. Denn es handelt sich (fast) nur um amerikanische Universitäten.

Na und?, fragt da der deutsche Mensch, der seine Universitäten noch immer für die besten der Welt hält. Was sagt denn eine solche Hitliste aus? Eine ganze Menge – wenn die Auswahlkriterien vernünftig sind und die Datenbasis breit genug ist. Nur: Unter den hiesigen Universitäten die besten ermitteln zu wollen verstößt gegen den ungeschriebenen Grundgesetzartikel, der da sagt: Das Abitur ist der Anrechtsschein aufs Studium, auch wenn es im 200-Mann-Seminar stattfindet. Die Hochschulen sind alle gleich und auch noch stolz darauf. Und alle sind überfüllt.

Die amerikanischen (und sehr bedingt die englischen) Universitäten sind dagegen bewußt unterschiedlich. Als die besten gelten diejenigen, die in der Grundlagenforschung führen und bei den Sozial- und Geisteswissenschaften in vorderster Linie stehen. Die besten Colleges sind jene, die den besten Nachwuchs dafür ausbilden. Charakteristisch für dieses Streben ist der Wettkampf unter den gleichwertigen Institutionen höherer Bildung.

Experten und Praktiker sind sich über drei Hauptmerkmale akademischer Güteklasse einig:

1. Ein Lehrkörper, der der Lehre so viel Bedeutung beimißt wie der Forschung und stets zugänglich ist für die Studenten.

2. Eine Studentenschaft, die sich aus intelligenten, neugierigen und tatkräftigen jungen Leuten zusammensetzt, die ernsthaftes Interesse am Lernen haben.