Die Reform des maroden Kreditwesens wird die Bonner Regierung Milliarden kosten

Von Bernhard Blohm und Peter Christ

Kein Tag vergeht, ohne daß sich deutsche Politiker aus Ost oder West zum Umtausch der Sparguthaben von DDR-Bürgern äußern. Aber viel mehr macht dem Bankgewerbe beiderseits der innerdeutschen Grenze ein Thema zu schaffen, das in der öffentlichen Debatte über die Währungsunion noch keine Rolle spielt. „Wer denkt, daß es bei der Währungsunion nur um den Umtauschkurs von DDR-Mark in D-Mark geht, ist schief gewickelt“, meint Sparkassenpräsident Helmut Geiger, „ein viel größeres Problem als der Umtausch von Bargeld und Sparguthaben der DDR-Bürger ist die Umstellung der Schulden der DDR-Wirtschaft.“

Daß diese Sorge des Sparkassenpräsidenten nicht unbegründet ist, zeigt die zum 1. April geplante Reform des Bankensystems in der DDR mit aller Deutlichkeit. Denn nach dieser Reform droht den dortigen Kreditinstituten eine gewaltige Finanzkrise. Kommt dann einige Monate später die Wirtschafts- und Währungsunion, wird ein Kollaps nur mit Hilfe des Staates, genauer der Bundesregierung, abgewendet werden können. Einiges deutet darauf hin, daß Bonn den bedrängten Kreditinstituten in der DDR mit einem stolzen dreistelligen Milliardenbetrag beispringen muß, um ihnen aus der Klemme zu helfen.

Der Grund: Die Planer der DDR-Wirtschaft haben in der Vergangenheit Milliardenkredite in die Wirtschaft gedrückt, von denen ein großer Teil unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nie gewährt worden wäre. Die Kredite aber stehen nun auch in den Bilanzen der neuen Banken. Können Unternehmen in der DDR nach der Währungsumstellung diese Kredite nicht mehr bedienen und melden Konkurs an, droht auch den Banken der Ruin. Die DDR-Bankiers haben dann zwar auf harte Mark lautende Forderungen gegen ihre Kreditnehmer, aber praktisch sind diese wertlos.

Natürlich muß das Bankgewerbe in der DDR völlig umgekrempelt werden, wenn demnächst ein einheitliches deutsches Wirtschafts- und Währungsgebiet entstehen soll. Die Banken waren dort fester Bestandteil der staatlichen Kommandowirtschaft, sie hatten unter Anleitung der Staatsbank für „die Steigerung der Arbeitsproduktivität“ zu sorgen und mußten „die Initiativen der Werktätigen zur Erfüllung und gezielten Übererfüllung der Pläne fördern“, wie es im Gesetz über die Staatsbank heißt. Das verträgt sich in der Tat nicht mit den Aufgaben, die Banken in marktwirtschaftlichen Ordnungen wahrnehmen.

Denkbar schlecht gerüstet