Von Bernhard Blohm und Peter Christ

DIE ZEIT: Herr Most, noch im vorigen Jahr sah die Staatsbank keinen Grund für Reformen im Bankwesen der DDR. Nun sind Sie plötzlich Chef der größten privaten Geschäftsbank in der DDR, nämlich der aus der Staatsbank hervorgegangenen Deutschen Kreditbank. Wie verkraften Sie eigentlich diesen Wandel?

Edgar Most: Natürlich gibt es beträchtliche Unterschiede zum Bankwesen der Bundesrepublik – vor allem Unterschiede, was den Kapitalmarkt angeht. Aber wir müssen umdenken.

ZEIT: Wird Ihnen und Ihren Mitarbeitern das gelingen?

Most: Es muß, aber es muß auch Übergangsphasen geben. Wir können nicht von einem Tag auf den anderen die gesamte Wirtschaft des Landes umstellen, und das gilt folglich auch für das Bankgeschäft.

ZEIT: Was heißt das konkret?

Most: Die Betriebswirtschaft, der Kontenrahmen, die Bilanzen eines Betriebes sind zunächst gegeben. Der wesentliche Teil unserer Bankgeschäfte sind reine Kreditgeschäfte, das heißt, die Staatsbank finanziert die Wirtschaft der DDR über Kredite im Rahmen der Gesetze der DDR, und das wird auch in nächster Zeit noch so sein müssen.