Von Gerd Bucerius

Erik Blumenfeld, geboren 1915, gehört zum ersten Rang der Hamburger CDU-Politiker. Er war Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, des Bundestages und des Europaparlaments. Seit 1977 ist er Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Am 27. März wird Erik Blumenfeld 75 Jahre alt. Sein Freund erinnert sich.

Erik Blumenfeld – ja, wer kannte ihn nicht? Freilich hatte ich da einige Schwierigkeiten. Ich war nämlich Rechtsanwalt, aber nicht bei den feinen Gerichten der Hansestadt Hamburg, sondern in Altona, der zugestandenermaßen damals schäbigen Vorstadt Hamburgs. Ehescheidungen, Mietprozesse und Armenrechtssachen spielten in unserer Praxis eine große Rolle – nur mit Neid sahen wir nach Hamburg und seinen Fleischtöpfen.

Erik dagegen stammte aus einer Familie, deren Beruf so recht hanseatisch war: Schiffahrt, dann Brennstoffhandel, Koks-Produktion – ein großes, der Stadt Hamburg dienendes Werk. "Bd. Blumenfeld" war eine Firma von Weltrang. Irgendwo hatte ich damals gelesen: Bd. Blumenfeld hatte die kaiserlich-russische Flotte bebunkert (mit Kohlen beliefert), die 1904/05 aus der Ostsee mühsam über Fernost nach Tsushima fuhr – und dort von den Japanern tödlich geschlagen wurde. Den Auftrag, den Russen zu helfen, hatte Bd. Blumenfeld von Albert Ballin erhalten, der dem Kaiser Wilhelm II. nahestand.

Erik hatte (1933) sein Abitur im feinen Salem gemacht. Danach hatte ihn seine Mutter (der Vater war 1927 gestorben) "zur kaufmännischen und sprachlichen Ausbildung nach England, Frankreich und Skandinavien geschickt" – die Mutter, Ebba Möller, war eine sehr energische Person. Damals hat Erik die Zügel elterlicher Autorität kennengelernt, und auch deren Nutzen. Die Mutter war – was in Hamburg einer Hamburgerin fast ebenbürtig ist – ein Gutsbesitzerskind aus Dänemark.

Mütterliche Strenge hinderte nicht Eriks elegante und anspruchsvolle Lebensweise; der kluge und früh geschäftserfahrene Junge konnte sie sich leisten; sein Charme machte ihn ja auch unwiderstehlich. Von seinem eigenen erfolgreichen Auftreten angetan, vergaß er eine kleine Achillesferse: Er hatte vom Firmengründer Bd. Blumenfeld ein Stück jüdischer Abstammung mitbekommen. Die Nazis ärgerten sich schwarz darüber, wie der "Mischling", strotzend vor Geist und (wirklich) männlicher Schönheit, unter den Hamburger Mädchen wilderte; die galten den Nazis ohnehin nicht als sehr zuverlässig. – Goebbels soll Erik besonders in seinen tückischen Augen gehalten haben.

So kam dann eines Tages (1942) der Anruf aus dem Stadthaus Hamburg, da saß die Gestapo: "Kommen Sie auf das Amt. In einer Stunde sind Sie hier." Er ging und kam nicht wieder. Was ihm in Auschwitz und Buchenwald widerfuhr, das haben uns andere Häftlinge berichtet; er selbst spricht bis heute nicht darüber.