Nun ist auch die eisenharte Lady weich geworden. Margaret Thatcher, die Protagonistin unbedingter Wehrhaftigkeit, tat sich sichtlich schwer, Abstriche am westlichen Rüstungsarsenal hinzunehmen. Mit ihrer Bereitschaft, die Modernisierung der atomaren Kurzstreckenraketen von der Tagesordnung der Nato zu streichen, aber hat die britische Premierministerin jetzt Lernfähigkeit bewiesen.

Ihre Argumentation weist Mrs. Thatcher zudem als überzeugte Demokratin aus. Erst nach der Wahl am vergangenen Sonntag nahm sie das ostdeutsche Territorium aus dem Visier. Freie Wähler, so offenbar ihre Erkenntnis, eignen sich nun einmal nicht als Zielgruppe für atomare Geschosse.

Mit ihrer mentalen Abrüstung dürfte Mrs. Thatcher das leidige Lance-Kapitel abgeschlossen haben, das die Nato noch vor Jahresfrist zu zerreißen drohte. Der Westen wird es ihr danken. Wie groß die Dankbarkeit zu Hause ist, kann sich schon bei einer wichtigen Nachwahl zum Unterhaus in dieser Woche zeigen. Ihre Halsstarrigkeit, ob beim Eintritt zum Europäischen Währungssystem oder in der Frage der deutschen Einheit, wird sich die Premierministerin nicht mehr lange leisten können. Denn auch wenn die gelassenen Briten sagen: Better late than never. Die Letzten wollen sie gewiß nicht immer sein. D. B.