DDR

Von Joachim Nawrocki

Während der Ostberliner CDU-Chef Lothar de Maizière noch immer versichert, zuerst werde über die Sache geredet und erst spater über Personen, und noch nicht einmal weiß, ob er Ministerpräsident der DDR werden will, scheint eine Personalie schon festzustehen Wirtschaftsminister der DDR soll der frühere Westberliner Wirtschaftssenator und derzeitige Chef der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU Elmar Pieroth werden

Die beiden Manner kennen sich seit dem 2 November des vergangenen Jahres "Das war der Tag, an dem der alte CDU-Vorsitzende Gerald Gotting abgesetzt wurde", erinnert sich Pieroth "Das wußten wir aber nicht Wir sind aus eigenem Entschluß rubergefahren, denn wir wollten die Ost-CDU nicht zu lange in sich ruhen lassen Da war de Maizière so der Kirchenmann Ich weiß gar nicht, ob der spater dann so viele Kopfe rollen ließ, da mögen sich auch viele aus eigenem Antrieb zurückgezogen haben Tatsache ist, daß plötzlich viele neue Kopfe da waren "

So überraschend der Vorschlag, Pieroth zum Wirtschaftsminister zu machen, auf den ersten Blick auch wirkt, so logisch ist er aus Sicht der DDR-CDU Einen Ökonomen, der von Marktwirtschaft nicht nur redet, sondern sie auch kennt, sucht man in der DDR vergeblich Die Ost-CDU braucht jemanden, der Menschen motivieren und ihnen all das erklaren kann, was sie bestenfalls vom Hörensagen kennen Daß Pieroth auch rasch auf Probleme reagiert, hat er als Wirtschaftssenator in Berlin durch zahlreiche Programme und Aktivitäten bewiesen

Ist es nicht eine Sisyphusarbeit, die da auf ihn zukommt’ Eine desolate Wirtschaft und ein 545-Mann-Ministerium, in dem es bis zur Wende angeblich 544 SED-Mitglieder gab? "Menschen sind für Ziele motivierbar, auch wenn sie seit Gorings erstem Vierjahresplan 1936 nichts anderes erlebt haben Sicher sind da auch viele, die sich in die Marktwirtschaft einfühlen können, und denen muß man helfen, sich durchzusetzen Außerdem habe ich in den letzten Tagen eine Vielzahl von Briefen und Telegrammen bekommen von Menschen, die helfen, beraten oder sich zur Verfügung stellen wollen Und ich habe bei meinen Mittelstandsberatungen für DDR-Bürger hier und vor Ort erlebt, wie jeder Rat angenommen und gar nicht als unerbetene Einmischung empfunden wird "

Seit Ende letzten Jahres hat Pieroth Tausende von DDR-Bürgern beraten, die sich selbständig machen wollen und Hilfe oder Kontakte suchten Zu einer Veranstaltung im Berliner "Hotel Kempinski" kamen statt der erwarteten 400 über 2000 Interessenten